So entscheidet das Gehirn

So entscheidet das Gehirn

Welche Jeans soll ich kaufen? Schreibe ich die E-Mail jetzt oder später? Welche Ausbildung ist die richtige Wahl für mich? Manche Dinge lassen sich ganz leicht, andere nur sehr schwer entscheiden. Woran liegt das? Um das zu verstehen, muss man die Funktionsweise des menschlichen Gehirns verstehen.

Unser Gehirn ist im Grunde genommen eine Entscheidungsmaschine. Die meisten Dinge beschließt es, ohne dass wir davon viel mitbekommen: Wie setzte ich einen Fuß vor den nächsten? Welche Wörter wähle ich? Gebe ich Gas oder bremse ich? All das läuft meist automatisch ab. Es sind Mechanismen, die sich wiederholen. Und diese Fähigkeit, Gelerntes abzuspulen, erklärt auch, warum Feuerwehrmänner oder Ärzte in der Lage sind, in schwierigen Situationen so schnell zu reagieren. „Experten können komplizierte Entscheidungen unglaublich schnell treffen, wenn sie die jahrelang eingeübt haben“, erläutert Gerhard Roth, Neurobiologe und Professor für Verhaltensphysiologie an der Universität Bremen. Daneben gibt es aber auch für jeden von uns komplexe Fragestellungen, über die wir ganz bewusst nachdenken. „Schwer fallen uns Entscheidungen dann, wenn sie wichtig sind und wir sie in dieser Weise noch nicht getroffen haben“, erläutert der Hirnforscher.

Portrait Prof. Roth

© Roth-HWK

Was aber passiert im Gehirn, wenn wir zwischen mehreren emotional bedeutsamen Optionen – ziehe ich nach Berlin, München oder Hamburg – abwägen? „Die Grundvoraussetzungen, wie wir Entscheidungen fällen, werden vom limbischen System vorgeprägt, das sich schon einige Zeit vor und dann nach der Geburt in der Bindungserfahrung entwickelt“, sagt Roth. „In ihm haben bewusste Erlebniszustände und Gefühle ihre Wurzeln, und es gibt die generellen Präferenzen eines Menschen vor: Was er will und erwartet und inwiefern er in der Lage ist, auf die Angebote seiner Umgebung einzugehen.“

Wenn so die ersten Weichen gestellt wurden, wandert die Frage in das Bewusstsein. Hier können rationale Argumente abgewogen werden, die dann wieder von den unteren Bewusstseinsebenen bewertet werden. Das heißt, komplizierte Entscheidungen finden stets im Spannungsfeld zwischen Gefühlen sowie Verstand und Vernunft statt. „Vor allem, wenn viele Motive in den Entschluss einfließen, kann das monatelang hin- und hergehen“, sagt Roth. „Bis wir durch einen besonderen Impuls irgendwann zu einem Entschluss kommen – oder eben nicht.“

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