Ein Piks für die Gesundheit

Voraussetzung für die Aufnahme von Kindern in einer Kita soll künftig der Nachweis über eine ärztliche Impfberatung sein. Geregelt wird das im neuen Präventionsgesetz.

Ein Piks für die Gesundheit

Der Impfstoff für die kommende Grippewelle liegt in den Arztpraxen bereit. Er kann schwere Krankheitsverläufe verhindern. Doch auch grundsätzlich sollte der Impfpass regelmäßig kontrolliert werden.

Sie ist ganz schön schwer zu erwischen, diese Grippe. Jahr für Jahr müssen Entwickler und Wissenschaftler den Impfstoff für die Grippeimpfung neu zusammensetzen. Denn in jedem Winter ändert sich das Influenza-Virus, das bei den meisten Patienten zu hohem Fieber, Muskelschmerzen und trockenem Reizhusten führt. Experten der Weltgesundheitsorganisation schätzen ab, welche Art des Virus in der nächsten Grippesaison das größte Risiko bedeutet, und legen so die Bestandteile der Impfung fest.

In den meisten Arztpraxen liegen jetzt die Ampullen mit dem Wirkstoff bereit – viele Wochen, bevor die nächste Grippewelle zu erwarten ist. „Die jährliche Influenzawelle hat in Deutschland in den vergangenen Jahren meist nach der Jahreswende begonnen“, geben die Experten vom Robert Koch-Institut an. Um sich rechtzeitig davor zu schützen, sollte die Grippeimpfung idealerweise im Oktober oder November erfolgen.

Denn: Der kleine Piks wirkt nicht sofort. Erst nach rund zwei Wochen ist der Schutz komplett aufgebaut. Aber auch Last-Minute-Impfungen sind aus Sicht von Medizinern noch sinnvoll.

Erst nach zwei Wochen ist der Schutz komplett.

Impfen lassen sollten sich in der Regel Senioren ab dem 60. Lebensjahr. „Sie haben ein höheres Erkrankungsrisiko als der Rest der Bevölkerung“, sagt Professor Friedrich Hofmann. Der Arbeitsmediziner war fast zwei Jahrzehnte lang Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) der Bundesregierung. „Auch Schwangere ab dem vierten Monat sowie Personen, die chronisch krank sind, sollten sich impfen lassen. Nicht zu vergessen sind Personen, die viel Kontakt zu anderen Menschen haben“, rät er.

Wer allerdings an einer akuten fiebrigen Krankheit leidet, sollte auf den Grippeschutz verzichten. Schwangere können sich mit der Impfung vor den zu erwartenden schwereren Krankheitsverläufen schützen. Zudem bekommt der Säugling dadurch in den ersten Lebensmonaten ebenfalls einen gewissen Schutz. Laut Robert Koch-Institut treten durch die jährliche Schutzimpfung weniger schwere Grippe- und Folgeerkrankungen wie Lungenentzündungen auf. Wer sich dennoch ansteckt, bei dem werde der Krankheitsverlauf auf jeden Fall abgeschwächt, so Hofmann.

Wirkungsvolle Vorsorge

Um uns vor Krankheitserregern zu schützen, ist der Körper mit einer Vielzahl von Abwehrmechanismen ausgestattet. Als Unterstützung dienen Impfungen. Sie sorgen dafür, dass der Körper im Ernstfall reagiert und die eindringenden Krankmacher abwehrt. Impfstoffe bestehen aus abgeschwächten Krankheitserregern wie Bakterien oder Viren. Werden sie verabreicht, bildet der Körper sogenannte Antikörper. Diese Abwehrstoffe sind dafür verantwortlich, dass wir nicht krank werden, wenn wir mit den Erregern in Kontakt kommen. Dieses Prinzip wird aktive Immunisierung genannt. Sie wird zum Beispiel beim Schutz vor Masern, Röteln und Mumps eingesetzt. Bei der passiven Immunisierung werden bereits gebildete Antikörper verabreicht, die sofort wirken können. Sie ist nützlich, wenn der Körper bereits mit Krankheitserregern infiziert ist.

Nach dem Piks

Was eine Impfung im Körper bewirkt


Impfungen sind eine der wirkungsvollsten medizinischen Vorsorgemaßnahmen und verhindern schwere Krankheiten. Wie leicht das in Vergessenheit gerät, zeigt die jüngste Masernepidemie in Berlin. Hunderte Menschen hatten sich angesteckt, ein Kleinkind hat sie sogar das Leben gekostet. Dabei galt die Krankheit in Europa als beinahe ausgerottet. Bei der Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung kann ein Kind ab dem neunten Monat geimpft werden. „Allerdings werden viele Kinder zu spät gegen Masern geimpft“, sagt Lothar H. Wieler vom Robert Koch-Institut. Aber auch bei den Erwachsenen klaffen große Lücken im Impfpass. Das sind die Gründe, warum Masernausbrüche wie der in Berlin auch heute noch auftreten können.

Eine hohe Impfbereitschaft schützt doppelt

Erst wenn 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, greift der sogenannte Herdenschutz. Das bedeutet: Wenn ausreichend viele Menschen immunisiert sind, wird auch die übrige Bevölkerung vor der Krankheit geschützt – zum Beispiel Säuglinge, erkrankte oder hochbetagte Menschen. Der Verzicht auf den Piks ist also eine Entscheidung, die man nicht nur für sich selbst trifft. „Wer leichtfertig eine Impfung ablehnt, gefährdet auch andere Menschen“, sagt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Gut für die Gemeinschaft

Herdenimmunität schützt auch Nicht-Geimpfte

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v.l.n.r.: Geimpfte, Nicht Geimpfte, Infizierte, Erreger

Aus diesem Grund will die Bundesregierung die Impfbereitschaft steigern. So soll der Nachweis über eine ärztliche Impfberatung künftig Voraussetzung für die Aufnahme von Kindern in einer Kita sein. Geregelt wird das im neuen Präventionsgesetz. Kinder ohne Impfschutz dürfen dann zudem vom Besuch der Schule oder Kita ausgeschlossen werden, wenn dort Masern auftreten.


nebenwirkungen

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Nebenwirkungen

Durch die Aktivierung des Immunsystems nach der Impfung reagiert der Körper häufig mit Symptomen wie Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und Unwohlsein. Zudem können Rötungen, Schmerzen und Schwellungen an der Einstichstelle der Spritze vorkommen. In der Regel klingen die Begleiterscheinungen nach wenigen Tagen ab.


Diese Schutzimpfungen erhalten Erwachsene nach Vorlage Ihrer IKK-Gesundheitskarte:

Auffrischimpfung alle zehn Jahre sowie Nachholimpfung bei fehlendem oder unvollständigem Schutz.

Jährliche Impfung für alle ab dem Alter von 60 Jahren.

Einmalige Auffrischimpfung – möglichst mit der nächsten Impfung gegen Tetanus/Diphtherie/ggf. Poliomyelitis.

Nachholfimpfung bei fehlendem oder unvollständigem Impfschutz.

Für alle nach 1970 Geborenen, die ungeimpft oder unvollständig geimpft sind. Empfohlen wird der Einsatz des MMR-Impfstoffs, der zur Immunisierung gegen Masern, Mumps und Röteln eingesetzt wird.

Einmalige Impfung ab dem Alter von 60 Jahren.

Auffrischimpfung alle zehn Jahre sowie Anspruch auf Nachholimpfung bei fehlendem oder unvollständigem Impfschutz.

Sie haben Fragen rund um Ihren Impfschutz? Dann rufen Sie unsere kostenfreie medizinische Hotline IKK Med an:

0800 455 1000

Unsere IKK-Experten am anderen Ende der Leitung helfen Ihnen täglich von 6 bis 22 Uhr gern weiter.

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