Eine Frage der Haltung

„Atmen Sie bewusst. Dazu eignet sich die sogenannte Herzchenatmung."

Eine Frage der Haltung

Sportwissenschaftler haben herausgefunden, dass Gewinner und Verlierer allein anhand ihrer Körperhaltung zu erkennen sind. Was wir daraus lernen können.

Das Gegenüber einzuschätzen dauert meist nicht länger als den Bruchteil einer Sekunde. Blitzschnell sortieren wir unterbewusst Menschen, denen wir begegnen, in eine Schublade ein: Gewinner oder Verlierer? Sympathische oder unangenehme Person?
Vor allem die Körperhaltung trägt maßgeblich dazu bei, wie wir einen Menschen wahrnehmen, sagen deutsche Wissenschaftler. Schon Kleinkinder können diesen Unterschied ausmachen. Mit zunehmendem Alter werden wir darin immer besser.

Körperhaltung

„Die Fähigkeit, kleinste Unterschiede im nonverbalen Verhalten der Mitmenschen wahrzunehmen, zum Beispiel Gesichtszüge und Körperhaltung zu deuten, entwickeln wir erst im Laufe unseres Lebens“, sagt Dr. Philip Furley von der Deutschen Sporthochschule Köln.

Eine gute selbstbewusste Haltung kann man gezielt trainieren

Anhand der hohen Trefferquote sind die Forscher sicher: Den Unterschied zwischen Gewinnern und Verlierern macht schon auf den ersten Blick die Körperhaltung. Wer mit breiter Brust auftritt, ist erfolgreicher als jemand, der seine Schultern hängen lässt – zumindest in der Wahrnehmung.

Auch im Berufsleben kann diese Erkenntnis der Wissenschaft zwischen Zu- oder Absage, Beförderung oder jahrelangem Verweilen im gleichen Job entscheiden. Erfolg ist eine Frage der Haltung. Eine, die man sich antrainieren kann.


Yvonne de Bark

© Frank Erler

Interview 

„Wer zappelt, wird nicht ernst genommen“

Schauspielerin Yvonne de Bark über die richtige Haltung, welche Promis es richtig machen und welche kleinen Helfer uns selbst bei Lampenfieber souverän wirken lassen.

Wie hinterlasse ich einen guten ersten Eindruck, zum Beispiel bei einem Vorstellungsgespräch?

Lächeln Sie innerlich. Am besten schon kurz bevor Sie den Raum betreten. Dadurch entspannt sich Ihr Körper und Sie bekommen automatisch eine positive Ausstrahlung. Außerdem ist es wichtig, Blickkontakt zu halten, ohne dabei zu starren. Zudem kommt es auf den Händedruck bei der Begrüßung an: einmal kurz drücken, als würde man einen Schwamm ausdrücken. Zudem sollte man darauf achten, eine gerade Körperhaltung einzunehmen. Auch der Duft spielt eine große Rolle – also bloß nicht zu viel Parfum oder Aftershave auftragen und nicht kurz vorher eine Zigarette rauchen! Durch Aufregung gerät die Stimme schnell in eine höhere Tonlage, deshalb sollten Sie versuchen, etwas langsamer und tiefer als normal zu sprechen. Begleitet von ruhigen Bewegungen hinterlassen Sie so einen souveränen Eindruck.

Das klingt simpel. Dennoch ist es oft gar nicht so leicht, gelassen zu wirken.

Das ist Übungssache. Und ehrlich gesagt, kann es manchmal durchaus charmant wirken, wenn Sie ein wenig unsicher sind und das nach außen dringt. Grundsätzlich gilt aber: Alles, was sich schnell und hektisch bewegt, irritiert uns, weil wir es nicht unter Kontrolle haben. Deswegen verunsichern uns Hektiker und nervöse Menschen. Sie sind in ihren Reaktionen schwer einschätzbar. Jemand, der sich dagegen ruhig und kontrolliert bewegt, löst in uns das Gefühl aus, dass wir ihm vertrauen können. Im Umkehrschluss heißt das, dass wir jemandem, der sich selbst unter Kontrolle hat, zutrauen, auch andere unter Kontrolle zu haben. Eine Führungskraft würde nicht ernst genommen werden, wenn sie herumzappelt. Außerdem beschäftigt ein zappelnder Körper das eigene Gehirn so sehr, dass es diese Kapazität nicht zum Denken benutzen kann. Mein Rat: Atmen Sie ein paar Mal durch Ihr Herz hindurch ein und aus, lächeln Sie innerlich und seien Sie sich Ihrer Stärken bewusst.

 Ist eine ideale Körperhaltung durch Training zu erreichen?

Ja, ist sie. So kann man sie erreichen: Stellen Sie sich schulterbreit hin, lassen Sie die Arme seitlich am Körper hängen. Drehen Sie die Daumen ein wenig nach hinten, damit vermeiden Sie, dass die Schultern nach vorne fallen. Dann stellen Sie sich den Anfang eines Fadens am Scheitelpunkt Ihres Kopfes vor, dort wo die Fontanelle zusammengewachsen ist. Dieser Faden zieht Sie nun senkrecht nach oben. So richtet sich die Wirbelsäule Wirbel für Wirbel auf. Der Po geht rein, der Bauch geht rein, die Brust geht ein wenig raus und das Kinn kommt in genau die richtige Position. So können Sie stundenlang stabil stehen, gehen und sitzen und wirken sofort präsent und kompetent.

 Welche prominenten Persönlichkeiten machen vor, wie es richtig geht? Taugt beispielsweise Kanzlerin Angela Merkel als Vorbild?

Frau Merkel macht ihren Job seit Jahren und wirkt dabei immer sehr konzentriert. Bei jedem Auftritt wirkt sie so, als wäre genau dieser Augenblick der wichtigste für sie. Diese Eigenschaft haben große Führungspersönlichkeiten. Sie sind immer im Hier und Jetzt und können sehr schnell von einer Rolle in die nächste wechseln. Frau Merkel gelingt das allem Anschein nach sehr gut. Authentizität ist das Zauberwort. Authentizität ist für mich das Übereinstimmen von Innerem und Äußerem. Wir spüren sofort, wenn etwas am anderen nicht passt – also wenn sich körpersprachliche Signale widersprechen oder mit dem Gesagten nicht übereinstimmen. Bei bekannten  Persönlichkeiten, die wir als charismatisch bezeichnen würden, stimmen innere Haltung und das, was wir außen sehen, überein.

Im Beruf, an der Uni oder auch bei privaten Feiern – immer wieder gibt es Situationen, in denen man vor Publikum präsentieren muss. Wie schafft man es, das häufig unbehagliche Gefühl dabei abzuschütteln?

Das Allerwichtigste ist zu wissen, dass das Publikum gar nicht sieht, wie wir zittern. Ich hatte neulich einen Vortrag bei gefühlten 35 Grad, bei dem mir der Schweiß sturzbachartig hinunterlief. Nachher sagte jemand zu mir: „Heiß? Nö, du hast nur ein bisschen geglänzt am Hals.“ Um sich sicherer zu fühlen, können Sie sich an einer Moderationskarte „festhalten“. Die sollte aber nicht zu groß sein, damit sie nicht vom Gesicht ablenkt und nicht flattert. Den Anfang sollten Sie immer auswendig lernen, weil das Gehirn im Moment des Auftrittes auf Flucht oder Schockstarre schaltet. Sind die ersten Sätze gesprochen, funktioniert unser Gehirn wieder, wie es soll, und es kann weitergehen. Ein Tipp: Suchen Sie sich eine sympathische Person im Publikum, mit der Sie Blickkontakt aufnehmen, wenn Sie positiven Zuspruch brauchen.


Richtig stehen und sitzen

Koerpersprache einfach nutzen

© Yvonne de Bark

Mehr Tipps von Yvonne de Bark finden Sie in ihrem Buch „Körpersprache einfach nutzen“ (humboldt, 19,99 Euro).

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