Feelgood Manager

Ein gutes Arbeitsklima ist unbezahlbar. Immer mehr Unternehmen investieren deshalb in sogenannte Feelgood Manager. Sie sorgen dafür, dass die Work-Life-Balance stimmt.

Komm zu uns, fühl dich gut

Viele Deutsche sind im Job nur noch gefrustet. Das soll sich ändern. Feelgood-Manager sorgen jetzt fürs Wohlfühlklima.

Der Kampf um Talente, die gerade mittelständische Firmen eben nicht mit dem gleichen Gehalt wie Großkonzerne locken können, macht deutsche Unternehmen, besonders aus der IT-Branche, zunehmend erfinderisch. Angeregt von den Wohlfühloasen der US-Internetgiganten wie Google oder Amazon haben die Gründer der digitalen Wirtschaft in den vergangenen drei Jahren ein neues Berufsbild geschaffen: den Feelgood-Manager. Das Spektrum reicht von der Bürofachkraft, die neben dem Buchen von Reisen für ihre Kollegen auch mal Gemeinschaftsevents organisiert, bis hin zum Personalexperten, der auch strategisch für die Entwicklung und Durchsetzung von Werten im Unternehmen zuständig ist.

Balanceakt zwischen Arbeit und Privatleben

Vorreiter war der Hamburger Webseiten-Baukasten-Anbieter Jimdo. Die drei Jimdo-Gründer Christian Springub, Fridtjof Detzner und Matthias Henze gehören selbst der Generation Y an, den in den 80er- und 90er-Jahren Geborenen, die nicht mehr bereit sind, dem Job alles unterzuordnen, die dafür eine Arbeit mit Sinn und Spaß suchen. „Trotz des schnellen Wachstums ihres Unternehmens wollten die drei die WG-Atmosphäre ihres einstigen Startups unbedingt bewahren“, berichtet Monika Kraus-Wildegger, Chefin der Hamburger Firma Goodplace, die mit Workshops, Vorträgen, Ausbildungsangeboten und eigenem Internetportal die Denkmuster der neuen Arbeitswelt mit vorantreibt. „Anders als bei vielen Hightech-Firmen aus dem Silicon Valley geht es beim Feelgood-Management deutscher Couleur aber nicht darum, die Mitarbeiter möglichst lange am Arbeitsplatz zu halten“, sagt sie. Richtig verstanden, helfe der Beauftragte Mitarbeitern vielmehr dabei, den Balanceakt zwischen Arbeit und Privatleben besser zu meistern, ihr Potenzial zu entfalten, sich mit den Zielen ihres Unternehmens zu identifizieren und gleichzeitig Freiräume für eigene Interessen und Lebenslagen zu nutzen.

Warum Unternehmen sich gut um ihre Mitarbeiter kümmern sollten:

15 Prozent der Arbeitnehmer haben bereits innerlich gekündigt


19 Prozent der Beschäftigten, die nicht emotional an ihr Unternehmen gebunden sind, suchen aktiv nach einem neuen Job


70 Prozent erledigen ihren Dienst nur noch nach Vorschrift


Die hohe Zahl unmotivierter Arbeitnehmer kostet die deutsche Wirtschaft jährlich mindestens 73 Milliarden Euro.


Ein Unternehmen, das sich kümmert

Das versucht auch der Berliner Inkubator Hitfox, dessen weltweit 350 Mitarbeiter neue digitale Geschäftsmodelle erfinden und Tochterfirmen gründen, die zum Beispiel die Finanz- und Werbebranche technologisch umkrempeln sollen. Hitfox hat sich das Konzept der sogenannten „Caring Company“ auf die Fahnen geschrieben. Das heißt: Man besorgt Wohnungen für neue Mitarbeiter, Kindergartenplätze oder Jobs für den Ehepartner. Hitfox-Mitarbeiter hinterlegen in einer Datenbank ihre Hobbys und Interessen und können so per Knopfdruck Gleichgesinnte finden. „Im Frühjahr läuft ein Team von uns beim Halbmarathon in Paris mit“, berichtet Sarah Hoffmann, einstige Feelgood-Managerin und heutige Personalchefin von Hitfox. Einmal im Monat findet ein Mittagessen statt, bei dem gelost wird, wer dabei sein darf. Mal bekommen alle Finnen bei Hitfox ein gemeinsames Essen von ihrem Arbeitgeber spendiert, mal sind die Spanier dran. Das Wohlfühlpaket kommt so gut bei der Belegschaft an, dass Hitfox alle sechs Mitarbeiter der Personalabteilung mit Tätigkeiten dazu betraut. „Feelgood-Management ist zum fundamentalen Bestandteil unserer Unternehmenskultur geworden“, sagt Hoffmann.

Neue Konzepte sind dringend gefragt

„Zwischen 50 und 100 Feelgood-Manager sind mittlerweile bundesweit tätig“, schätzt Goodplace-Gründerin Monika Kraus-Wildegger. Doch Gabriele Korge, Wissenschaftlerin am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, ist überzeugt, dass sich der Beruf des Feelgood-Managers zukünftig auch über die Grenzen der digitalen Wirtschaft hinaus durchsetzen wird. „Nicht nur die digitale Wirtschaft und Dienstleister kämpfen um gute Mitarbeiter. Gerade in der Produktion wird der Fachkräftemangel in den nächsten zehn Jahren zunehmend spürbar“, sagt Korge. Arbeitgeber werden nicht daran vorbeikommen, neue Konzepte zu entwickeln, mit denen sie Mitarbeiter an sich binden und dafür sorgen, dass sie motiviert, gesund und leistungsfähig bleiben.

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