Glücklich im Job

Michael Leitl macht eine Lehre zum Orthopädietechniker. Ihn reizt der Umgang mit Technik wie mit Menschen gleichermaßen.

Eine Entscheidung, viele Berufswege

Studium oder Ausbildung? Immer mehr Jugendliche entscheiden sich nach der Schule für die Universität. Warum eine Lehre ein ebenso guter Einstieg in das Berufsleben sein kann, erzählen drei Auszubildende.

Die Berufswahl ist für Jugendliche eine der schwersten Entscheidungen, die sie treffen müssen. Vor zehn oder 20 Jahren hat sich auch der ein oder andere Abiturient für eine Tischlerlehre entschieden. Heute ist ein Studium fast selbstverständlich. Gab es 1993 noch etwa 279.000 Erstsemester pro Jahr, strömen mittlerweile jährlich fast doppelt so viele junge Menschen an deutsche Universitäten. Früher absolvierte jeder zweite Jugendliche eine Ausbildung, mittlerweile nur jeder vierte.

Jonas Herzberg

Quelle: privat

Jonas Herzberg

Jonas Herzberg
Alter: 19 Jahre
Wohnort: Hohenebra
Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten

Für Jonas Herzberg war klar, dass er entgegen dem aktuellen Trend eine Lehre absolviert. „Ich wollte direkt in die Praxis einsteigen und keine lange Theoriezeit wie beim Studium.“ Ein weiterer Pluspunkt für den 19-Jährigen: die Zukunftsaussichten. „Wer einen Fuß im Betrieb hat und sich gut anstellt, der wird meist übernommen.“ Dass die Wahl auf eine Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten bei der IKK classic fiel, verdankt Herzberg einem Praktikum.

Ich wollte direkt in die Praxis einsteigen

„Ich habe Praktika bei einer Sparkasse und bei einer Krankenkasse gemacht. Danach fiel die Entscheidung leicht: Die Arbeit bei der Versicherung hat mehr Spaß gemacht.“ Ausprobieren – das rät der Auszubildende im ersten Jahr jedem Jugendlichen, der sich bei seinem Berufsweg nicht sicher ist. Herzberg holte sich außerdem Rat bei seinen Eltern, der Agentur für Arbeit und recherchierte im Internet nach Ausbildungsmöglichkeiten.

Derzeit ist Herzberg im Kundenservice eingeteilt. Seinen Theorieteil absolviert der 19-Jährige in der IKK Akademie in Hagen. „Ich bekomme anhand von vielen Fallbeispielen schon einen Eindruck von meinem späteren Berufsleben.“
Zum Ausbildungsende wird Herzberg in einer Geschäftsstelle eingesetzt und hat zum ersten Mal direkten Kundenkontakt. „Darauf freue ich mich besonders. Das war auch ein Grund, diesen Beruf zu wählen: die Arbeit mit Menschen.“

Michael Leitl

© Marc Holzner

Michael Leitl

Michael Leitl
Alter: 19 Jahre
Wohnort: Stuttgart
Ausbildung zum Orthopädietechniker

Vom Praktikum direkt in die Ausbildung

Über ein Praktikum ist Michael Leitl in einem eher exotischen Handwerksberuf eingestiegen. Der 19-Jährige absolviert beim Stuttgarter Sanitätshaus Glotz eine Ausbildung zum Orthopädietechniker. Er ist im dritten Ausbildungsjahr und hat noch ein halbes Jahr Lehre vor sich. „Die Arbeit vereint zwei Aspekte, die mir bei der Berufswahl sehr wichtig waren: Handwerk und Soziales“, sagt Leitl.

Michael Leitl

Erfahrene Kollegen stehen Azubi Michael Leitl bei Fragen zur Seite. © Marc Holzner

Nach der Schulzeit fasste er auch die Berufe Forstwirt und Landschaftsförster ins Auge. Doch statt in der Natur wollte er lieber mit Menschen arbeiten. Seine Lehrerin gab ihm den Tipp, wegen eines Praktikums bei der Firma Glotz nachzufragen. „Alle unsere Lehrlinge müssen vor ihrer Ausbildung ein Praktikum machen. Wir wollen schauen, ob sie die wichtigsten Voraussetzungen mitbringen“, sagt Michael Sigg, Orthopädietechnik-Meister und Ausbilder bei Glotz. Vor allem, dass die Jugendlichen keine Berührungsängste mit behinderten Menschen hätten, sei wichtig. Auch handwerkliches Geschick und genaues Arbeiten sei bei diesem Beruf unverzichtbar.

Lernen für den Traumberuf

„Ich finde es toll, wie abwechslungsreich die tägliche Arbeit ist“, sagt Michael Leitl. Jeder Kunde erhält ein individuell angepasstes Hilfsmittel, keine Orthese oder Prothese sei gleich. Was einige Jugendliche, die sich für diesen Beruf interessieren, nicht vermuten: Zu der Ausbildung gehört auch eine umfangreiche Anatomie-Lehre. „Wir lernen alle Muskeln und ihre Funktionen kennen“, erklärt der 19-Jährige. Die passenden Begriffe müssen die Lehrlinge auch auf Latein beherrschen. Leitl lernt gerne für seinen Traumberuf. Er hofft, nach seiner Ausbildung übernommen zu werden – und hat gute Chancen. Leitl kann sich auch vorstellen, seinen Meister zu machen.


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Auch Phillip Huse (16) aus Düsseldorf fiel die Entscheidung für eine Ausbildung nicht leicht. Er wollte nach der Schulzeit direkt in die Praxis – also kein Studium mit viel Theorie. Also informierte er sich über verschiedene Handwerksberufe – und ist jetzt er einer von aktuell 14 Auszubildenden zum Mechatroniker für Kälte- und Klimatechnik bei der Soeffing GmbH in Düsseldorf. Ein Blick in seinen Ausbildungsalltag:


Vom Lehrling zum Ingenieur

Stephan Babbel

Quelle: privat

Stephan Babbel

Stephan Babbel
Alter: 29 Jahre
Wohnort: Rostock
Mechatroniker und Wirtschaftsingenieur

 

„Nicht immer muss ein Studium die einzig richtige Entscheidung sein."

 

Stephan Babbel blätterte vor 13 Jahren in den Gelben Seiten, um seinen Ausbildungsbetrieb zu finden. „Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen“, erzählt der heute 29-Jährige. Ein Beruf im technischen Bereich sollte es sein, das wusste Babbel früh. Mit 16 Jahren begann er eine Mechatroniker-Lehre bei dem Unternehmen Nordex in Rostock, das Windkraftanlagen herstellt. Bis heute arbeitet er in der Firma und blickt auf eine außergewöhnliche Laufbahn zurück. Sein Karriereweg zeigt, welche Möglichkeiten eine fundierte Ausbildung bietet.

Aus dem Lehrling von einst ist mittlerweile ein Maschinenbauingenieur geworden. Mit Anfang 20 holte Babbel seine Fachhochschulreife nach und absolvierte ein duales Maschinenbaustudium. In Abendkursen bildete er sich zum Indus­triemeister Metall weiter und stemmte ein Ergänzungsstudium Wirtschaftsingenieurwesen. „Meine Ausbildung war eine sehr gute Basis fürs Studium. Ich denke, dass ich durch meine Praxiserfahrung viele Vorteile hatte“, sagt Babbel.

Eine Ausbildung kann eine gute Basis für ein Studium sein

Ein Beispiel seien Arbeitsanweisungen, die Ingenieure schrei­ben. Die beschriebenen Tätigkeiten haben sie in der Regel jedoch noch nie selbst ausgeführt und kennen sie daher nur aus der Theorie. Stephan Babbel weiß dagegen ganz genau, worüber er schreibt. Auf die Windkraftanlagen, die er während seiner Ausbildung zum Mechatroniker vor elf Jahren mit baute, steigt er heute als Ingenieur zur Kontrolle im Störungsdienst.

Stephan Babbel

Quelle: privat

In seinem Bereich ist der 29-Jährige heute selbst Ausbilder. Einen Leitsatz, den er seinen Lehrlingen mit auf den Weg gibt: „Alles kann dir im Leben genommen werden, außer deine Zertifikate und Zeugnisse.“

Die richtige Entscheidung treffen

Jan Bohlken

Quelle: privat

Personalberater Jan Bohlken

Nur jeder dritte Schüler hat eine konkrete Vorstellung davon, was er nach dem Abschluss machen will. Personalberater Jan Bohlken gibt Tipps, wie junge Menschen die richtige Entscheidung treffen.

Schüler sollten rechtzeitig – etwa eineinhalb bis zwei Jahre vor dem Ende der Schulzeit – beginnen, sich ernsthafte Gedanken über die Berufswahl zu machen. Wer zu lange wartet, für den sind die meisten Bewerbungsverfahren schon gelaufen.

Eltern, Familie und Freunde sind die ersten Ansprechpartner. Schüler sollten sich nicht scheuen, sie mit Fragen zu löchern. Empfehlenswert ist auch der Besuch von Berufswahlmessen, auf denen sich Unternehmen, Institutionen, Behörden und Verbände mit ihren verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten vorstellen.

Jugendliche absolvieren am besten schon während der letzten Schuljahre verschiedene Praktika und Ferienjobs, um wertvolle Einblicke in Berufsfelder zu erlangen. Selbst wenn es negative Erfahrungen sein sollten, helfen diese, Möglichkeiten auszuschließen.

„Was sind meine wesentlichen Persönlichkeitsmerkmale?“ Diese Frage muss sich jeder stellen, der seinen Beruf wählt. Die eigenen Stärken kennen und nutzen, das ist die zentrale Formel für eine fundierte Entscheidung. Auch seriöse Testverfahren im Internet können helfen.

 Online-Angebot für Berufsstarter

Infos, Tests, einen Bewerbungsbaukasten sowie eine Azubibörse finden Berufsstarter im Jugendangebot der IKK classic: www.myspleens-academy.de

Bildnachweis Headergrafik: © Marc Holzner