Selbstversuch

Treppe statt Fahrstuhl. Spaziergang statt Sofa. Bewegung im Alltag ist oft beiläufiger als gedacht.

Schritt für Schritt

Wer sich viel bewegt, lebt gesünder. Doch selten entspricht die eigene Wahrnehmung auch der Realität. Schrittzähler zeigen uns objektiv auf, wie aktiv wir wirklich sind. IKK-classic-Mitarbeiterin Claudia Balg hat es ausprobiert.

Schritte zählen


Kalenderblatt April

Ich gebe es zu: Ich bin ein totaler Bewegungsmuffel. Wie so viele andere auch. Wir fahren mit dem Auto ins Büro, verbringen dort den größten Teil unserer Arbeit sitzend und am Abend fallen wir müde aufs Sofa. Während sich unsere Vorfahren vor gut 100 Jahren im Schnitt noch acht bis zehn Stunden pro Tag bewegt haben, kommt der Durchschnittsdeutsche heute auf gerade mal 25 Minuten. Und damit ist nicht nur Sport gemeint, sondern vor allem Alltagsbewegung wie Treppensteigen.

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© Rudolf Wichert
Claudia Balg fühlt sich wohl - weil sie merkt, wie gut ihr regelmäßige Bewegung tut

So richtig bewusst ist mir das Ganze allerdings erst, seit ich dieses kleine unscheinbare Armband trage. Es ist ein sogenannter Activity Tracker oder eben Schrittzähler, mit dem ich nachvollziehen kann, wie viel oder wenig ich mich bewege.

Kalenderblatt Mai

Neue Ziele müssen her

Seit ein paar Wochen sind nun Schritte meine neue Währung. 8.000 bis 10.000 pro Tag halten Sportwissenschaftler für ein gesundes Pensum. Wenn die wüssten, wie schwierig es ist, das im Alltag zu erreichen. Wenn ich nicht gerade beruflich Termine außer Haus habe oder am Wochenende mal ausgehe, komme ich selten über 2.000 Schritte.

Schritt für Schritt

© Rudolf Wichert
Mit einer App auf ihrem Smartphone wertet Claudia Balg den Zähler aus.

Damit bin ich noch mindestens 6.000 Schritte vom Optimum entfernt. Damit meine Motivation nicht wieder verpufft, müssen neue Ziele her. Zumindest das Doppelte von meinem bisherigen Schnitt, 3.000 Schritte pro Tag, möchte ich erreichen.

Ein netter Nebeneffekt des Armbands ist immerhin die Weckfunktion. Ganz sachte vibriert es morgens, während ich schlafe. Oder besser: während ich glaube, noch zu schlafen. Denn ein kleiner Chip und die App erkennen anhand meiner Bewegungen, ob ich im Tiefschlaf bin oder nur schlummere – und bestimmen so innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters den optimalen Zeitpunkt, um mich zu wecken. Dadurch habe ich morgens deutlich bessere Laune als bisher.

Kalenderblatt Juni

Shopping bringt's

Ziel erreicht. Schon um 11 Uhr morgens! Ich war zum Shoppen in Köln. Statt mit dem Auto bin ich mit der Bahn gefahren und nach einem Rundgang durch Schildergasse und Co. hat die kleine LED-Anzeige auf meinem Armband signalisiert: „Du hast es geschafft.“

Aber nicht nur am Wochenende, sondern auch an ganz alltäglichen Wochentagen erreiche ich mein 3.000-Schritte-Ziel immer häufiger. Und ich merke, wie ich durchs Schrittezählen beginne, alte Gewohnheiten zu überdenken.

Wäsche waschen ist noch so ein Beispiel. Anstatt zu warten, bis sich der Berg bis unter die Zimmerdecke türmt, gehe ich nun jedes Mal direkt die drei Stockwerke in den Waschkeller, sobald ich eine Maschine füllen kann. Genauso benutze ich kleinere Müllbeutel und muss sie entsprechend häufiger runterbringen. Im Büro nutze ich, wann immer es geht, Treppen statt Fahrstuhl und wenn ich abends noch in den Supermarkt muss, dann gehe ich die 500 Meter zu Fuß.

Kalenderblatt Juli

Ein gutes Gefühl

Seit ich mein kleines Armband trage, habe ich schon sieben Kilogramm abgenommen. Ich bin zwar immer noch keine Sportskanone, aber ich merke deutlich, dass ich fitter werde. Lange Spaziergänge machen mir inzwischen nichts mehr aus. Im Gegenteil, ich genieße sie richtig. Mein neues Tagesziel liegt bei 5.000 Schritten. Ich habe mir sogar Stöcke gekauft und mit Nordic Walking begonnen. Nach und nach werden meine Runden immer größer. Dieses Gefühl, mich körperlich so richtig ausgepowert zu haben, hatte ich zuletzt als Teenager. Als Kind war ich unheimlich sportlich, habe Basketball, Fußball und Hockey gespielt – bis ich mit 14 Jahren Epilepsie bekommen habe. „Sportverbot“, hat der Arzt gesagt. Zu gefährlich. Durch die Medikamente, die es damals gab, habe ich innerhalb kurzer Zeit stark zugenommen. Weil ich auf Alkohol verzichte und mich bewusst ernähre, habe ich die Krankheit inzwischen im Griff. Nur die Kilos bin ich nie wieder losgeworden. Bis jetzt.

Kalenderblatt August

Weitermachen?

Natürlich gibt es auch Tage, an denen erreiche ich mein Tagesziel nicht. Das ist aber auch egal. Hier geht es ja nicht um Medaillen. Den Effekt des Schrittezählens sehe ich langfristig – man muss sich nur darauf einlassen.

Kalenderblatt September

Nicht mehr ohne

Ich möchte mein Armband nicht mehr missen. Neulich habe ich gelesen, dass in den USA inzwischen jeder Zehnte einen vergleichbaren Tracker, ein Fitnessarmband oder eine Smartwatch trägt. Auch bei mir im Freundes- und Familienkreis wächst das Interesse. Ich habe meiner Schwester zum Beispiel ein Armband geschenkt und sie ist ganz begeistert und positiv überrascht, wie viel sie sich tatsächlich bewegen. Allerdings arbeitet sie als Erzieherin in einem Kindergarten und da stimmt es wohl, dass der Job sie im wahrsten Sinne des Wortes auf Trab hält.

Kalenderblatt Oktober

Rekorde. Positiv wie negativ.

Ich war in den vergangenen Wochen beruflich zwar auch total eingespannt, aber leider mit dem gegenteiligen Effekt. Ich sitze am Schreibtisch oder für Dienstreisen im Auto und die Bewegung kommt viel zu kurz. Deshalb habe ich wochentags auch nur selten mein Tagesziel von 5.000 Schritten erreicht. Immerhin: Am Wochenende habe ich meinen bisherigen Rekord von 13.000 Schritten eingestellt. Die Fitness ist also noch da und ich will unbedingt versuchen, sie über den Winter zu halten. Ich gehe zwar nicht mehr walken wenn es abends früh dunkel wird, aber ich habe mir fest vorgenommen stattdessen häufiger Schwimmen zu gehen.


Die Qual der Wahl

Inzwischen gibt es etliche sogenannte Wearables, um Schritte, Puls und Kalorienverbrauch zu messen und zu speichern. Was für wen infrage kommt, ist vor allem eine Frage des Preises, der Nutzung und der gewünschten Funktionen. Ein Überblick:

Activity Tracker

activity armband

© Jawbone

Activity Tracker sind einfache Schrittzähler, die meist via Bluetooth mit einer passenden Smartphone-App verbunden werden. Diese berechnet dann aus den Voreinstellungen die zurückgelegte Strecke oder den Kalorienverbrauch. Oft ist auch eine Schlafüberwachung und Weckfunktion dabei.

Fitnessarmband

fitnessarmband

© fitbit

Der Übergang vom Activity-Tracker zum Fitnessarmband ist fließend. Diese meist etwas aufwändigeren Geräte bieten zusätzliche Funktionen wie GPS-, Höhen- und Pulsmessung. Oft ist auch das Display größer und kann als Uhr genutzt werden. Das obere Ende der Skala bilden schließlich Pulsuhren mit nochmals größerer Funktionsvielfalt, die vor allem für ambitionierte Sportler interessant sind.

Smartwatch

smartwatch

©LG Electronics

Mit Touchscreen eigenen Apps können Smartwatches viel mehr als nur Schritte, Puls und Kalorien zu messen. Entsprechende Fitnessfunktionen sind – neben E-Mail, Kalender und Co. – bei allen Herstellern Standard. Nutzer schlagen also viele Fliegen mit einer Klappe. Das mehr an Möglichkeiten schlägt sich allerdings nicht nur im Preis nieder, sondern geht auch zu Lasten der Akkulaufzeit.


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Bildnachweis Headergrafik: © Rudolf Wichert