Auf der Suche nach Ruhe - Teil II

Auf Tauchstation - Unsere Autorin begibt sich in die Unterwasserwelt.

Endlich mal abtauchen

Die nächste Station auf der Suche nach Ruhe ist an der Reihe. Nachdem unsere Autorin bereits in einer Kirche und einer Salzgrotte versucht hat abzuschalten, geht es dieses Mal unter Wasser.

An Land war das Ruhe-Experiment bisher nicht sehr erfolgreich. Vielleicht ist die Unterwasserwelt der richtige Ort, um der städtischen Hektik zu entfliehen. Da die Karibik leider nicht um die Ecke liegt, sind türkisfarbenes Wasser, Korallen und bunte Fische bei diesem Ausflug keine Begleiter. So stehe ich leicht fröstelnd in voller Tauchmontur am Ufer eines heimischen Sees. Unter Wasser ist es noch etwas kälter, schätzt mein Begleiter, ein erfahrener Taucher. Alleine darf ich nicht auf Tauchstation gehen, zu gefährlich.

Ich spucke in die Brille, damit die Gläser nicht beschlagen. Dann watschle ich wie eine Gans mit Flossen den Steg entlang, nehme allen Mut zusammen und springe. Trotz Neoprenanzug: Die Gänsehaut lässt nicht lange auf sich warten. Kein Wunder, läuft doch ganz langsam das eiskalte Seewasser in den Anzug hinein. Entspannung sieht anders aus. Doch nach einigen Minuten Eingewöhnung wärmt die flüssige Schicht zwischen Haut und Neopren sogar. Die Suche nach Ruhe kann losgehen, ich tauche ab.

Bis auf meine Atemzüge höre ich nichts. Ich gleite durch das Wasser. Bei jedem Flossenschlag entspanne ich mehr.

Das regelmäßige Atmen durch das Mundstück des Sauerstoffgeräts und das damit verbundene gluckernde Geräusch haben eine beruhigende Wirkung. Bis auf meine Atemzüge höre ich nichts. Ich gleite durch das Wasser. Bei jedem Flossenschlag entspanne ich mehr. Zander und kleine Fischschwärme kreuzen meinen Weg. In Ufernähe ist das Wasser besonders klar, ich kann bis auf den Grund schauen. Krebse bewegen sich zwischen Steinformationen. Ich schaffe es tatsächlich zum ersten Mal in diesem Selbstversuch, an nichts zu denken. Der Takt meiner Flossenbewegung wird immer routinierter –  rechts, links, rechts, links drücke ich langsam das Wasser nach unten und bewege mich wie in Zeitlupe vorwärts.

Die halbe Stunde verfliegt viel zu schnell. Doch mein Tauchbegleiter gibt mir das Zeichen zum Auftauchen – die Sauerstoffreserve neigt sich dem Ende zu und langsam steigt auch die Kälte wieder in meinen Körper. Die Suche nach Ruhe unter Wasser ist geglückt. Ich konnte endlich abschalten, den Alltag für einige Minuten hinter mir lassen. Bevor ich aber das nächste Mal abtauche, warte ich, bis es etwas wärmer wird. Dann ist der Entspannungsfaktor sicherlich noch größer.

Zurück an Land geht die Suche weiter. Im März lesen Sie, an welchem Ort unsere Reporterin vielleicht endlich zur Ruhe kommt. Abonnieren Sie dafür unseren Erinnerungsservice!

Bildnachweis Headergrafik: © Anna Schwartz