Auf der Suche nach Ruhe - Teil III

Auf der Suche nach Ruhe - unsere Autorin fährt Riesenrad

Luftige Ruhe

Im letzten Teil unserer Serie geht unsere Autorin in die Luft, um Ruhe zu finden. Mitten in der Stadt und doch dem Himmel ganz nah.

Als Abschluss für meinen Weg zur Ruhe habe ich mir einen besonderen Ort ausgesucht. Ein Riesenrad. Hektik, grelle Lichter, Musik, Trubel – das sind vermutlich die ersten Worte, die jemandem einfallen, der die Umgebung eines Riesenrads beschreiben soll. Bei meinem heutigen Ausflug treffen diese Attribute nur teilweise zu, denn mein Ziel liegt nicht auf einer Kirmes oder in einem Freizeitpark. Mein Riesenrad steht direkt im Herzen einer Großstadt – an der Königsallee in Düsseldorf.

Ich schlängele mich an Frauen mit Einkaufstüten und Touristen, die Fotos von der Shoppingmeile schießen, vorbei. Das langsam rotierende Riesenrad immer im Blick. Die Sonne scheint. Bestes Wetter für eine Fahrt mit Aussicht. Nur noch eine anstehende Schülergruppe trennt mich von meiner Gondel. Kurz befürchte ich, der Kartenkontrolleur steckt mich zusammen mit ihnen in das nächste freie Abteil. Dann wäre meine Suche nach Ruhe schnell vorbei. Ich habe Glück. „Heute ist nicht viel los. Sie können ihre eigene Gondel bekommen“, sagt der Mitarbeiter und öffnet die Tür.

Mit jeder Runde komme ich der inneren Ruhe näher. Ich schwebe in meiner kleinen Gondel-Welt über die Stadt und vergesse den Alltag.

Die Kabine aus Glas hält die Außenwelt fern

Die Temperatur im Innenraum ist überraschend angenehm. Warme Luft strömt rasselnd durch Lüftungsschlitze in mein Gesicht. Das einzige Geräusch, ansonsten ist es still. Die Kabine aus Glas hält erstaunlich gut die Außenwelt fern – zumindest die Laute. Langsam bewegt sich das Riesenrad. Meine Gondel nähert sich dem Himmel. Auf dem höchsten Punkt hält das Fahrgeschäft für einige Minuten an. Auch für mich als gebürtige Düsseldorferin ist die Aussicht beeindruckend. So habe ich meine Stadt noch nie gesehen. Links die Königsallee mit ihrem Wassergraben in der Mitte, rechts der Hofgarten samt Libeskind-Bauten am Kö-Bogen und vor mir der Rhein mit dem Fernsehturm. Während ich den Blick über die Sehenswürdigkeiten schweifen lasse, merke ich plötzlich, wie entspannt ich bin. Ganz unbemerkt hat sich die Ruhe auf meinen Körper übertragen, ich lehne den Kopf an die Scheibe, die Sonne scheint mir ins Gesicht.

Bei dieser Aussicht stellt sich schnell Entspannung ein: Hier der Blick auf den Kögraben.

Bei dieser Aussicht stellt sich schnell Entspannung ein: Hier der Blick auf den Kögraben.

© Achim Meissner

Bei jedem Blick aus den Fenstern entdecke ich Neues

Dann setzt das Riesenrad zur nächsten Runde an. Die Gondel schaukelt leicht. Als ich mich dem Boden nähere, höre ich ein leises Rauschen – ein Gemisch aus Motorengeräuschen von vorbeifahrenden Autos und Stimmen. Meine Entspannung stört das aber nicht. Mit jeder Runde komme ich der inneren Ruhe näher. Ich schwebe in meiner kleinen Gondel-Welt über die Stadt und vergesse den Alltag. Bei jedem Blick aus den Fenstern entdecke ich neue Kleinigkeiten: ein Vogelnest auf dem Dach des Kaufhauses, ein Hund, der im Park hinter einem Ball her hetzt, eine Frau im roten Mantel steht minutenlang vor einem Schaufenster.

Nach fünf Rund und etwa 20 Minuten Fahrzeit stoppt das Riesenrad. Ein leises „Bitte aus der hinteren Tür aussteigen“ reißt mich aus meinen Beobachtungen. Meine letzte Station auf der Suche nach Ruhe war ein voller Erfolg. Ich war nicht nur dem Himmel über Düsseldorf ganz nah, sondern auch meinem inneren Ruhepol.

Die gesamte Reise

Das war die letzte Station unserer Autorin auf Ihrer Suche nach Ruhe. Gehen Sie noch einmal mit ihr auf die Reise. Hier finden Sie die anderen Teile der Serie:

Ruhe in der Kirche

Ruhe unter Wasser

Bildnachweis Headergrafik: © Achim Meissner