Brustkrebs-Bloggerin

Mit 31 bekam Susan Sommerfeld die Diagnose Brustkrebs. Die junge Frau hat den Kampf gegen ihre Krankheit aufgenommen und berichtet darüber in ihrem Blog.

Schreiben gegen die Angst

„Natürlich ist das scheiße“, sagt die zierliche junge Frau, zu der Kraftausdrücke wie dieser so gar nicht passen wollen. Aber was soll sie schon sagen? Sie hat Brustkrebs – mit gerade mal Anfang 30. Kein Zustand für blumige Umschreibungen. Aber für sie auch keiner zum Verzweifeln. „Man kann etwas aus der Situation machen“, sagt Susan Sommerfeld. Sie hat viel erfahren – vor allem über sich selbst. „Man lernt, auf sein Gefühl zu hören, was richtig und was falsch ist – mehr als in jeder anderen Phase des Lebens“, erzählt die 33-Jährige. Sie hatte viel Zeit zum Nachdenken in den vergangenen Monaten. Manchmal kriegt sie auch heute noch Panik, weil sie nicht weiß, was noch alles auf sie zukommen wird und ob sie jemals völlig gesund sein wird. Ihre Chance dafür liegt bei etwa 85 Prozent, sagt ihr Arzt. „Aber ob ich geheilt bin, kann ich erst am Ende meines Lebens sagen“, sagt Sommerfeld. Inzwischen gilt sie seit knapp einem Jahr als „krebsfrei“.

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart.

Sätze wie dieser lassen beim Zuhörer einen gewaltigen Kloß im Hals zurück, während Sommerfeld selbst nahtlos im nächsten Satz schon wieder über die schönen Dinge spricht, die sie erlebt. Festivals, kurze Urlaube am Meer, Hobbys für die sie endlich Zeit hat. Das sind ihre kleinen Freuden und Ankerpunkte, die sie im Leben halten. Besonders braucht sie diese zwischen den Chemotherapien. Acht musste sie insgesamt durchstehen. Sie beginnen schon wenige Tage nach ihrer Diagnose im Frühjahr 2014. Ein quälender Rhythmus. „Die erste Woche nach der Chemo ist richtig schlimm, in der Woche danach geht es schon besser, in der dritten Woche ist wieder alles wie davor und es geht von vorne los.“ Sie muss sich erbrechen, hat schmerzende Knochen. Essen funktioniert auch nicht immer – bis auf Kaugummi und Zwieback. Die Chemo nagt auch an ihren Muskeln. Wenn sie sich bewegt, fühlt sie sich wie eine alte Frau. Wenig später entdecken die Ärzte einen zweiten Tumor. Ihre rechte Brust wird entfernt. Dann Bestrahlung. Viele Monate scheint es so, als gebe es nur Hiobsbotschaften für die junge Frau.

Susan Sommerfeld geht es heute wieder gut.

Susan Sommerfeld geht es heute wieder gut.

Doch diese Zeit liegt inzwischen hinter der 33-Jährigen. Vor Monaten hat sie eine Reha an der Ostsee absolviert, um sich auf das Gesundsein vorzubereiten. „Mein schönstes Erlebnis war, dass ich endlich mal wieder durchschlafen konnte. Halb elf einschlafen und bis morgens um halb sieben schlafen ohne wach zu werden. Seit der Chemo hatte ich dies nicht mehr gehabt. Jede Nacht aufwachen, aufstehen, Sex and the City Folgen anschauen, was trinken, eine Banane essen. Das war recht stressig und morgens war ich dann immer total gerädert. Schlafstörungen. Jeder von uns hier in der Klinik hat sie“, schreibt Sommerfeld in ihrem Blog. Das macht sie so, seitdem sie weiß, dass sie Krebs hat. Es ist ihre moderne Form der Selbsthilfegruppe. Sie will sich das Erlebte von der Seele schreiben und anderen Patientinnen damit helfen. „Ich habe ganz viel im Internet recherchiert, als ich erfahren habe, dass der Knoten in meiner Brust Krebs ist. Aber die meisten Sachen sind so negativ und viele Informationen bekommt man auch einfach nicht. Zum Beispiel sagt einem keiner, dass durch eine Chemotherapie auch die Fingernägel ausfallen können - und was man dagegen tun kann“, sagt sie. Detailliert beschreibt sie deshalb, wie Untersuchungen ablaufen, welche Kosmetikprodukte ihr helfen oder wo es schönere Perücken gibt als die ihrer Meinung nach unsäglichen „Motten-Fiffis“.

Von ihrem Leben auf der „Brustkrebsachterbahn“, wie sie es beschreibt, berichtet Susan Sommerfeld auf ihrem Blog www.su-mmerfield.net Sie will bei den Lesern das Bewusstsein schärfen, genauer auf den Körper zu achten. „Als junger Menschen geht man einfach nicht davon aus, dass man Krebs bekommt. Ich habe den Tumor in meiner Brust gespürt, aber nicht gewusst, dass er einer ist“, sagt sie.

Vor der Chemo hatte sie ziemliche Angst davor, ihre langen Haare zu verlieren. „Als es dann soweit war, hat es mir gar nicht mehr so viel ausgemacht.“ Sie liebt es sogar, ihre weichen Wollmützen zu tragen. Ohne Kopfbedeckung geht sie jedoch nicht gerne vor die Tür. Wegen der anderen Menschen: „Am schlimmsten ist vielmehr, dass alle anderen auf den ersten Blick sehen, dass ich Krebs habe. Sie sollen aber nicht sofort an den Tod denken, wenn ich an ihnen vorbeilaufe.“ Inzwischen wachsen die Haare der jungen Frau wieder. Es ist ein äußeres Zeichen dafür, dass sich ihr Körper wieder von den Strapazen erholt. Eine Anti-Hormontherapie, die sie für die kommenden zehn Jahre begleitet wird, soll dafür sorgen, dass der Krebs nicht zurückkommt. Sie kann sich jetzt wieder um ihre Zukunft kümmernund nur das machen, was auch das Richtige für sie ist. Für Kompromisse ist Susan Sommerfeld ihr Leben zu wertvoll geworden.

Früherkennung

Um den Brustkrebs so früh wie möglich erkenne zu können, sollten Frauen regelmäßig ihre Brüste abtasten. Eine bewährte Technik dabei ist die MammaCare-Methode, die in einem Kurs erlernt werden kann. Die IKK classic fördert die Teilnahme für Versicherte mit dem Gesundheitskonto der IKK classic.

Laut dem Robert-Koch-Institut wird jährlich bei mehr als 70.000 Frauen ein Tumor in der Brust diagnostiziert. Die Heilungschancen sind relativ hoch und hängen davon ab, wie früh die Krankheit festgestellt wird. Experten geben an, dass etwa 80 Prozent der Patientinnen erfolgreich therapiert werden.

www.ikk-classic.de

Bildnachweis Headergrafik: © privat/Patricia Schumann