Bühnen-Star trotz Asthma

Gesangs- und Tanztraining als Therapie. Das Asthma des zwölfjährigen Lars Krech hat sich seit seinem Musical-Engagement stark verbessert.

Bühnen-Star trotz Asthma

Der zwölfjährige Lars Krech spielt in Stuttgart den kleinen Tarzan. Seine Krankheit ist für ihn seitdem kaum noch ein Problem.

Wie oft er schon auf der Bühne stand? Lars Krech überlegt, während die Visagistin mit einem Schwamm braune Farbe auf seinen Oberkörper, seine Arme und Beine aufträgt. Gleich wird er noch die Perücke aufgesetzt und spezielle Sicherungsgurte angelegt bekommen, dann ist Lars bereit für den Auftritt. Der wievielte das ist, weiß er nicht genau, aber bestimmt waren es schon mehr als 50 Vorstellungen. Mit seinen zwölf Jahren ist Lars bereits ein Musical-Profi. Seit zwei Jahren spielt der blonde Junge im Stage Apollo Theater in Stuttgart den jungen Tarzan im gleichnamigen Musical, und das, obwohl er an chronischem Asthma leidet.  

 

Etwa anderthalb Stunden bevor sich der Vorhang hebt, beginnt für den Gymnasiasten aus Aichwald der Abend. Schnell schlüpft er aus seinen Sachen und zieht sich nur eine braune, kurze Hose an. Später kommt darüber noch ein Lendenschurz, mehr gehört nicht zu seinem Kostüm als Dschungeljunge. Mit 1,42 Metern ist Lars für sein Alter noch relativ klein, dafür ist er dank seiner Rolle ziemlich sportlich. In der Maske werden nun seine Haare für die Perücke präpariert und mit vielen Haarnadeln hochgesteckt. Eine Prozedur, die Lars ruhig über sich ergehen lässt. Die Zeit nutzt er, um seine Dialoge mit Sevi Stojkova zu üben. Reine Routine – jeder Satz sitzt.


Etliche Tests, bevor es auf die Bühne geht
Lars leidet am so genannten Belastungsasthma, das heißt, körperliche Anstrengung kann zu einem Anfall führen. Als Lars früher Fußball spielte, war es auch so. „Ich hatte fast bei jedem Spiel einen Anfall“, erzählt er. Das vielfältige Training für das Musical bekommt ihm dagegen viel besser. Neben Gesangs-, Schauspiel- und Sprechunterricht stehen auch Akrobatik und Tanz auf dem Stundenplan. Vor seinem ersten Auftritt trainierte Lars mit anderen Kindern monatelang, teilweise bis zu dreimal in der Woche. Immer wieder musste er sich in Castings bewähren, um eine Stufe weiter zu kommen.

 

„Bis auf die Bühne ist es ein weiter Weg, und vor allem der Sprung vom Training auf die Bühne ist hart“, weiß Stojkova. Bei den Bühnenproben sind die Kinder erstmals auf sich allein gestellt. Nach vier solcher Proben steht die Generalprobe an. „Erst dann entscheidet sich, wer wirklich vor Publikum auftreten darf“, erzählt Stojkova. Lars kann sich daran noch gut erinnern: „Ich war total aufgeregt.“ Aber er schaffte es. „Am 21. Dezember 2013 hatte ich meine Premiere“, erzählt er stolz. Inzwischen hat er nur noch einmal die Woche Training. So bleibt auch noch Zeit für sein zweites Hobby: Trompete spielen. Beim örtlichen Musikverein ist er aktiv und spielt bei Konzerten mit. Das Musizieren hat ebenfalls dazu beigetragen, sein Asthma zu stabilisieren. „Ich spiele jetzt viel mehr als früher“, erzählt Lars.

 

Wie gut seine Kondition ist, zeigt er beim Aufwärmtraining, wo er wie ein flinkes Äffchen über die Matte hüpft, ein Rad nach dem anderen schlägt und den Handstand mit einem Arm absolviert. Dann läuft er, trommelnd die Fäuste auf die Brust schlagend, einmal quer durch den Raum – typisch Gorilla eben, denn als Tarzan ist er ja bei einer Sippe der haarigen Gesellen im Dschungel aufgewachsen. Einer seiner besten Freunde ist der Gorilla Terk, gespielt von einem erwachsenen Kollegen, der zum Einsingen in den Trainingsraum kommt. Unter Anleitung des Dirigenten singen sie einmal ihr Duett – auch das gehört zum Aufwärmtraining. Vor dem Profi braucht sich Lars nicht zu verstecken. „Wunderbar“, lobt der Musiker. So sollte auch weiteren 50 Auftritten nichts im Wege stehen.  

Lars Krech in der Maske vor seinem Auftritt im Musical Tarzan in Stuttgart

Lars Krech in der Maske vor seinem Auftritt im Musical Tarzan.

32 Shows im Jahr
Sevi Stojkova ist den ganzen Abend an seiner Seite. Sie ist die Kinderbetreuerin im Stage Apollo Theater und kümmert sich um die jungen Musical-Darsteller im Training sowie bei den Vorstellungen am Abend. Außer Lars gibt es noch elf weitere Jungs, die den jungen Tarzan spielen. Das Jugendarbeitsschutzgesetz erlaubt es nicht, dass ein Kind täglich auf der Bühne steht. Da es aber pro Woche acht Vorstellungen des Musicals in Stuttgart gibt, kommen noch andere Jungs zum Einsatz. Jeder, auch Lars, darf nur in maximal 32 Shows im Jahr spielen.

 

Dass Lars chronisch an Asthma leidet, weiß Sevi Stojkova. „Ich hatte deshalb aber bei ihm noch nie Bedenken“, sagt sie, lobt seine Beweglichkeit und seine gute Stimme. Für Notfälle ist sie durch einen speziellen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder gerüstet. Mit der Mutter von Lars hat sie gleich am Anfang eine Vereinbarung getroffen: Wenn Lars tagsüber sein Notfall-Spray braucht, darf er abends nicht spielen. „Doch das ist noch nicht vorgekommen“, freut sich seine Mutter Gina Krech. Im Gegenteil: Seit Lars mit dem Training begonnen hat, verbesserte sich sein Zustand erheblich. „Im Winter vor dem Training hatte er etwa acht Asthmaanfälle, im ersten Winter mit Training keinen mehr“, erzählt die Mutter. Ganz ohne die tägliche Dosis Cortison geht es trotzdem nicht. Jetzt genügt eine Dosis pro Tag, früher waren es zwei.

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