Aktion Mütze

Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter regelmäßigen Kopfschmerzen.

Dröhnende Kinderköpfe

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die unter Kopfschmerzen leiden, steigt kontinuierlich. Mit der Aktion Mütze werden Schüler über Wege aus dem Schmerz aufgeklärt.

Wenn Paula aus der Schule kommt, hat sie häufig zu gar nichts mehr Lust. Sie ist müde und zieht sich in ihr Zimmer zurück, zieht die Vorhänge zu und legt sich ins Bett. Viel mehr lässt ihr dröhnender Kopf nicht zu. Manchmal drückt er sogar so sehr, dass sie meint, er würde explodieren. Kinder wie Paula haben häufig einen langen Leidensweg hinter sich, wenn sie zu Professor Hartmut Göbel nach Kiel in die Sprechstunde kommen. „Kinder, die so starke Kopfschmerzen haben, können teilweise gar nicht mehr richtig am Leben teilnehmen“, sagt der Experte von der Schmerzklinik. Das Pochen, Dröhnen und Hämmern in ihren Köpfen bestimmt ihren Lebensrhythmus. Viele fehlen bis zu zehn Tage im Monat in der Schule. Sie haben kaum eine Chance, den verpassten Stoff nachzuholen, das erhöht den Leidensdruck zusätzlich.

78 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren hatten in den vergangenen drei Monaten mindestens einmal Kopfschmerzen.

Drastischer Anstieg

Kopfschmerz ist längst nicht mehr nur typisch für Erwachsene. Immer mehr Kinder und Jugendliche haben mit ihm zu kämpfen. Nicht immer so stark wie Paula, aber dennoch ist der Schmerz im Kopf für viele ein regelmäßiger Begleiter. Um 300 bis 400 Prozent habe die Zahl der betroffenen Kinder in den vergangenen drei Jahrzehnten zugenommen, sagt Göbel. Einer Studie des Robert Koch-Instituts zufolge hatten 78 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren in den vergangenen drei Monaten mindestens einmal Kopfschmerzen. Gerade in der Altersgruppe der Zehn- bis Zwölfjährigen tritt er gehäuft auf.

Schmerz ist eine Bremse des Körpers

Einer der Gründe ist die Flut von Reizen, der Kinder heute ausgesetzt sind und die sie kaum verarbeiten können. Handy, Computer, Fernseher und Musik – häufig laufen alle Geräte parallel. Hinzu kommen das frühe Aufstehen und der anstrengende Schultag ohne große Erholungspausen und ohne richtige Mahlzeiten. Am Nachmittag vielleicht noch Hobbys und Verabredungen. „Das alles ist kompliziert für den kindlichen Organismus, der sich in diesem Alter in der Wachstumsphase befindet und deshalb sehr viel Energie benötigt“, so der Mediziner. Wenn der Kopf anfängt zu schmerzen, sei das die natürliche Bremse des Körpers.


 

Dem Schmerz auf der Spur

Um herauszufinden, an welcher Art von Kopfschmerz ein Kind oder Jugendlicher leidet, ist es hilfreich, einige Wochen lang genau zu beobachten und die Schmerzen zu dokumentieren. Das hilft ebenfalls bei der anschließenden Behandlung. Die Schmerzklinik in Kiel hat ein solches Tagebuch entwickelt. Es kann hier heruntergeladen werden:


Kinder Kopfschmerzen

Der heutige Medienkonsum fördert den Trend von Kopfschmerzen bei Kindern.

Verhaltensänderung statt Schmerzmittel

Einfach Schmerzmittel zu verabreichen, sei der falsche Weg. Stattdessen helfe es, den Alltag anzupassen und Kinder, Eltern und Lehrer für das Thema zu sensibilisieren. Hier setzt die bundesweite „Aktion Mütze – Kindheit ohne Kopfzerbrechen“ an, die von der IKK classic unterstützt wird. Das Projekt stellt kostenfrei Material für den Unterricht in den siebten Klassen zur Verfügung – mit ausführlichen Informationen für Schüler und Lehrer, die zeigen, welche Maßnahmen bei welchem Kopfschmerztyp helfen und wie Kopfschmerzen vorgebeugt werden kann. Außerdem sensibilisieren sie für die Risiken eines unreflektierten Medikamentengebrauchs.

Hohe Erfolgsquote bei Therapie

Ergänzt wird das Material durch einen Elternbrief mit den wichtigsten Regeln zum Umgang mit Kopfschmerzen. Denn: „Unbehandelte Kopfschmerzen können der Anfang eines von Schmerzen bestimmten Lebens sein“, weiß Ruth Wagner, Leiterin Prävention der IKK classic. Dass das häufig nicht sein muss, zeigt die Statistik. Laut Professor Hartmut Göbel liegt die Erfolgsquote nach der passenden Behandlung bei 85 Prozent. So kann sich auch Paula hoffentlich schon bald wieder nach der Schule mit ihren Freundinnen verabreden, anstatt alleine mit ihrem dröhnenden Kopf zu sein.

Ernährungsregeln für einen Kopf ohne Schmerzen

Die wichtigsten Tipps gegen Kopfschmerzen bei Kindern

Aktion Mütze

Die Figur Mütze ist das Maskottchen der Aktion.

  • Achten Sie bei Ihrem Kind auf ein Frühstück mit Eiweiß, Kohlehydraten und Fett.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind ausreichend Wasser, verdünnte Fruchtsaftschorlen oder Kräutertees trinkt.
  • Planen Sie feste Essenszeiten für drei Hauptmahlzeiten und Zwischenmahlzeiten ein.
  • Halten Sie einen gleichmäßigen Tag-und-Nacht-Rhythmus ein.
  • Fördern Sie Bewegung an der frischen Luft oder Ausdauersport.
  • Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, Stress abzubauen.
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Bildnachweis: © grinvalds/iStock Thinkstock; Myst-Fotolia; Karin Frisch für Aktion Mütze