Diagnose Myom

Viele Frauen leben mit einem Myom - häufig ohne es zu merken. Dabei können die gutartigen Geschwüre die Ursache vieler Probleme sein.

Kleine Wucherungen mit Folgen

Bei 20 bis 40 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter treten gutartige Wucherungen im Bereich der Gebärmutter auf. Andrea Schmidt hatte gleich mehrere dieser Myome – und brachte dennoch ein gesundes Kind zur Welt.

Andrea Schmidt (Name geändert)  war 34 Jahre alt, als bei ihr zwei Myome diagnostiziert wurden. Eines war sogar so groß wie eine Mandarine. Dass irgendetwas nicht stimmte, hatte sie bereits seit einiger Zeit gespürt. „Ich hatte immer wieder Unterleibsschmerzen und eine verlängerte Periode“, erzählt die Ingenieurin. Plötzlich ging es aber nicht mehr nur um die Diagnose, sondern auch um das Thema Familienplanung. Denn: Myome und Schwangerschaft, das sei schwierig – so die Aussage der Frauenärztin. Für Andrea Schmidt war jedoch klar, dass sie Mutter werden will. „Dann lassen Sie die Myome lieber rausoperieren“, empfahl die Gynäkologin.

Die Diagnose war früher ein radikaler Einschnitt.

Myome sind gutartige Wucherungen der Gebärmuttermuskulatur, die bei 20 bis 40 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter auftreten. Bei Frauen um die Wechseljahre wachsen sie besonders häufig. Sie kommen vor allem in der Gebärmutter (Uterus) vor. Bis in die 1990er-Jahre bedeutete die Diagnose für viele Frauen einen radikalen Einschnitt. Denn bis dahin war es üblich, mit einem Myom die ganze Gebärmutter zu entfernen. „Man befürchtete, dass die Gewächse bösartig werden könnten“, sagt Karin Schönig vom Frauengesundheitszentrum München. Die Psychologin berät betroffene Frauen und hat einen Ratgeber geschrieben.

Entfernung von Myomen

Es gibt mehrere Verfahren für die Behandlung und Entfernung eines Myoms. Entscheidend für die Wahl der OP-Methode sind die Lage der Myome, ihre Größe und Anzahl:

  • operativ: entweder mithilfe einer Bauchspiegelung, eines Bauchschnitts oder mittels einer Gebärmutterspiegelung von der Vagina aus
  • Verkleinerung: Eine seltener angewandte Therapie ist die Verkleinerung von Myomen. Möglich ist dies durch die Myomembolisation, ein radiologisches Verfahren, bei dem die Blutzufuhr unterbunden wird. Bei der fokussierten Ultraschallbehandlung wird das Myom an vielen Stellen Punkt für Punkt auf 70 bis 80 Grad erhitzt, wodurch das Gewebe abstirbt und dann vom Körper abgebaut wird.

 

Beratung rund um das Thema Myome bieten die Frauengesundheitszentren an, die es in fast allen größeren Städten gibt. Infos unter:

www.frauengesundheitszentren.de

Bessere Aussichten

Heute hat sich die Einschätzung geändert. „Neuere Untersuchungen zeigen, dass Myome gutartig sind – und bleiben“, sagt Schönig. Verbesserte diagnostische Methoden wie der Ultraschall haben dazu geführt, dass Myome häufiger entdeckt werden als früher. „Man betrachtet sie heute als etwas, mit dem eine Frau gut leben kann.“


Es gibt aber Fälle, in denen eine Entfernung sinnvoll oder notwendig sein kann. „Starke Blutungen während der Periode, ein starkes Wachstum der Myome sowie Schmerzen können für eine Operation sprechen“, erläutert Professorin Gerlinde Debus, Chefärztin der Frauenklinik im Helios Amper-Klinikum Dachau. Auch Frauen mit Kinderwunsch wird die Beseitigung empfohlen, da die Fruchtbarkeit eingeschränkt sein kann. „Je nach Größe und Lage können Myome verhindern, dass ein Ei sich in die Gebärmutter einnistet. Zudem können sie Ursache für Komplikationen in der Schwangerschaft sein“, sagt sie. Die Hormonausschüttung in der Schwangerschaft kann beispielsweise das Wachstum anregen, auch eine Fehlgeburt oder vorzeitige Wehen können durch Myome ausgelöst werden.

Ich habe mich sehr hilflos gefühlt.

Andrea Schmidt unterzog sich einer Operation. Mithilfe einer minimalinvasiven Bauchspiegelung wurden die Wucherungen entfernt – eine schonende Methode mit drei kleinen Schnitten, die als weniger belastend gilt und eine kürzere Heilungszeit hat als ein Bauchschnitt. Letzterer ist erforderlich, wenn die Exemplare sehr groß und schwer zugänglich sind.

Eine Operation schützt allerdings nicht davor, dass sich ein neues Myom bildet. Genau das passierte bei Andrea Schmidt. „Ich habe mich sehr hilflos gefühlt“, sagt sie. Ihre Ärztin beruhigte Schmidt damals. Die erneute Wucherung hatte lediglich die Größe einer Kirsche. „Meine Ärztin reagierte sehr entspannt und versicherte mir, dass dies kein Hindernis für eine Schwangerschaft sein muss.“

Glückliches Ende

"Schwanger werden trotz Myom ist möglich", bestätigt auch Professorin Debus. Sie schränkt aber ein: „Es hängt immer davon ab, wo sich das Myom befindet und welche Größe es hat. Das muss ganz individuell bei jeder Frau genau diagnostiziert werden.“


Bei Andrea Schmidt gab es keine weiteren Komplikationen. Zwei Jahre nach der Operation wurde sie tatsächlich schwanger. Bei der ersten Schwangerschaftsuntersuchung gab es noch eine positive Nachricht für sie. „Das Myom war nicht mehr zu sehen“, sagt Schmidt. Seit der Geburt ihres inzwischen vierjährigen Sohnes sei auch keine weitere Wucherung mehr aufgetaucht.

Buchcover Myome

Der Ratgeber „Myom“ von Karin Schönig (8,50 Euro) ist beim Frauengesundheitszentrum München erhältlich:

www.fgz-muc.de

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Bildnachweis: © Illustration Katharina Bitzl; Frauengesundheitszentrum München