Wer zahlt für wen?

Nicht nur Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich - auch andersherum gilt dieses Prinzip.

Kinder haften für ihre Eltern

Die Familie hält zusammen. Das ist ein ehernes Gesetz. Dennoch kommt es bei finanziellen Angelegenheiten immer wieder zum Streit. Wann müssen Kinder für ihre Eltern zahlen?

 

Auslöser für finanzielle Streitigkeiten ist häufig die Frage, wer für die Kosten aufkommen muss, wenn ein Familienmitglied plötzlich pflegebedürftig ist. Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) heißt es unter Paragraf 1601: „Verwandte in gerader Linie sind verpflichtet, einander Unterhalt zu zahlen.“ Damit ist ein Teil der Familie schon aus der Pflicht genommen. Geschwister, Onkel und Tanten sowie deren Kinder gehören nicht zur geraden Linie. Denn das sind neben dem Ehepartner nur die direkten Nach- und Vorfahren, also die Kinder beziehungsweise die Eltern. Gegen Enkelkinder können Unterhaltsansprüche der Großeltern übrigens nicht geltend gemacht werden.

Der Gesetzgeber unterscheidet nicht zwischen ehelichen, nicht ehelichen oder adoptierten Kindern.

Da Minderjährige nicht in die Pflicht genommen werden können, fallen sie aus dem Kreis derjenigen, die einspringen müssen, wenn Mama oder Papa pflegebedürftig geworden sind. Auch nach Vollendung des 18. Lebensjahres gilt diese Ausnahme noch, sofern die Ausbildung nicht beendet ist. Dabei unterscheidet der Gesetzgeber nicht zwischen ehelichen, nicht ehelichen oder adoptierten Kindern. Sie sind alle finanziell für ihre Eltern verantwortlich, wenn diese zum Pflegefall werden und ihre Pflegeversicherung, Rente sowie Angespartes nicht ausreichen, um die Pflege zu bezahlen. Stief- und Pflegekinder hingegen haben keine Verpflichtungen gegenüber der Familie, bei der sie aufgewachsen sind.

Aufteilung des Geld

Es muss genug Geld bleiben

Hat die pflegebedürftige Person mehrere Kinder, werden sie ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit entsprechend zum Unterhalt herangezogen. Ist nur eines von mehreren Kindern dazu in der Lage, liegt die Last allein bei ihm. Allerdings muss der Nachwuchs nur dann zahlen, wenn ihm selbst genug Geld für einen angemessenen Lebensunterhalt bleibt. Wie hoch der zu zahlende Betrag ist, wird individuell berechnet. Dadurch zahlen Schwiegerkinder indirekt mit, da das Familieneinkommen als Berechnungsgrundlage dient.

Die eigene Immobilie ist immer geschützt.

Zur Berechnung dient das Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen – bei Selbstständigen der Gewinn, den sie erwirtschaften. Angerechnet werden unter anderem Belastungen wie monatliche Ausgaben für Versicherungen, Kredite und die eigene Altersvorsorge. Eine selbst bewohnte Immobilie zählt zwar nicht zum Schonvermögen, ist aber immer geschützt.

Regelung für Patchwork-Familien

Auch die freiwillige Familienleistung, die ein Betroffener erbringt, der in einer nicht ehelichen Patchwork-Familie lebt, kann sich nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes auf die Höhe des zu zahlenden Elternunterhalts auswirken. Die Richter urteilten, dass ein in einer Patchwork-Familie lebender Mann zwar nicht die völlige Gleichstellung mit verheirateten Paaren verlangen und deshalb auch keinen Familienselbstbehalt beanspruchen könne. Jedoch habe der von ihm geleistete Betreuungsunterhalt Vorrang gegenüber dem Elternunterhalt.

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Bildnachweis: © Oliver Rossi/Stone/Getty Images; Maarten Wouters/ DigitalVision/Getty Images


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