Zukunft der Pflege

Der care-o-bot 4 gilt als Gentleman unter den Robotern. zumindest bezeichnen ihn seine entwickler so.

Roboter statt Haushaltshilfe

Um künftig die Versorgung von Pflegebedürftigen sicherzustellen, ist Technik notwendig. Schon heute gibt es einige Roboter, die nütztliche Assistenten im Alltag sind.

 

Weniger Babys, mehr Alte. Das ist vereinfacht dargestellt das größte Problem in den kommenden Jahrzehnten für unsere Gesellschaft. Kontinuierlich steigt die Lebenserwartung der Deutschen. Nachwuchs hingegen wird immer seltener geboren. Und mit dem Alter steigt das Risiko, irgendwann in seinem Leben auch auf Pflege angewiesen zu sein. Laut Bertelsmann Stiftung steigt die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 um etwa 50 Prozent – derzeit sind es nach Angaben des Gesundheitsministeriums etwa 2,7 Millionen Betroffene. Hingegen arbeiten dann immer weniger Menschen in der Pflege, um diesen steigenden Bedarf zu decken. Ein Dilemma.

Die Zukunft hat längst begonnen.

Elektronische Helfer gibt es bereits im Alltag

Wo Menschen fehlen, wird Technik benötigt, die zumindest einen Teil der künftigen Mammutaufgabe übernehmen kann. Autos, die von allein fahren, Mähroboter, die den Rasen kurz halten, intelligente Haustechnik, die bei Wetterumschwung automatisch Fenster schließt oder die Heizung reguliert – die Zukunft hat längst begonnen. Was manchem erscheinen mag wie Spielereien für Technikbegeisterte, eröffnet Chancen für ein langes, selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden. Wissenschaftler sprechen von „Ambient Assisted Living“ (AAL). Gemeint sind damit vor allem elektronische Systeme, die beispielsweise dafür sorgen, dass sich das Licht automatisch einschaltet, wenn jemand nachts ins Bad geht. Die dem Elektroherd anzeigen, wann er sich abzuschalten hat. Die erkennen, wenn jemand nicht aufsteht, sich wund liegt oder stürzt. Die – eingelassen in Matratzen oder Kissen – Puls und Blutdruck messen und all dies dem Pflegedienst melden. Es gehören auch einfach zu bedienende Tablets dazu – flache Computer, die den Kontakt zu Angehörigen und Dienstleistern erleichtern.

Bis zum Jahr 2018 könnten fast 26 Millionen Roboter die tägliche Hausarbeit unterstützen.

Bloß nicht zu menschlich

Parallel werden unter Hochdruck Roboter entwickelt, die inzwischen eine nahezu menschliche Gestalt annehmen. Aber nur schemenhaft, denn je humaner die Maschine wirkt, desto geringer ist die Akzeptanz bei den Menschen, die er unterstützen soll. Zu groß ist die Angst vor der befremdlich intelligenten Technik.  Mehr Säule als Mensch ist etwa der „Care-O-bot 4“. Der 1,58 Meter große Assistent mit dem sperrig aussehenden Namen ist ein Multitalent unter seinesgleichen. Er kann beispielsweise in Krankenhäusern oder im Haushalt eingesetzt werden. Er wird von den Entwicklern des Fraunhofer-Instituts als „Gentleman“ bezeichnet und serviert problemlos Getränke.

Füttern und kuscheln

Bis zum Jahr 2018 könnten fast 26 Millionen Roboter die tägliche Hausarbeit unterstützen. Das prognostiziert die Expertenkommission Forschung und Innovation in ihrem Gutachten 2016. Ermöglicht ihnen ein Roboter so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu wohnen, können sich laut einer Umfrage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung 83 Prozent der Deutschen vorstellen, zuhause einen Service-Roboter zu nutzen. Dazu geeignet ist unter anderem der schwedische Roboter „Bestic“. Er bringt nicht nur das Essen zu seinem Besitzer, sondern füttert ihn auch noch. Wer angesichts der blechernen Assistenten zu wenig Wärme befürchtet, der kann mit Robbenbaby „Paro“ kuscheln. Die japanische Konstruktion sieht aus wie ein Kuscheltier – kann sich aber bewegen und Laute von sich geben, wenn sie Zuneigung in Form von Streicheleinheiten bekommt. „Paro“ soll vor allem Demenzerkrankte emotional stützen.

Bildnachweis: © Fraunhofer IPA/Rainer Bez (2015)


Nächster Artikel

Wer zahlt für wen? – Wann Kinder für ihre Eltern zahlen müssen

mehr
Geld