Schlafapnoe

Etwa 25 Prozent der Deutschen klagen laut Robert Koch-Institut über Schlafstörungen, elf Prozent bezeichnen ihren Schlaf als „häufig nicht erholsam“.

Wenn nachts der Atem stockt

Michael Biermann ist Schlafapnoe-Patient. Bleierne Müdigkeit war der erste Hinweis auf seine Erkrankung. Inzwischen hat der 50-Jährige sie im Griff. Nicht nur dank medizinischer Hilfe – vor allem die Informationen und Gespräche in seiner Selbsthilfegruppe haben ihm geholfen.

Dass etwas nicht mit ihm stimmt, bemerkt Michael Biermann erst nach und nach. Immer wieder nickt er tagsüber ein: am Schreibtisch, manchmal sogar während einer Besprechung im Büro. Ihn überkommt immer öfter mitten am Tag eine Müdigkeit, die sich so schwer anfühlt, dass er nicht mehr in der Lage ist, sich dagegen zu wehren. „Ich war überhaupt nicht mehr leistungsfähig“, sagt der 50-Jährige über den Tiefpunkt seines Zustandes. Ausgerechnet in der Nacht, so finden Ärzte bald heraus, liegt die Ursache seines Problems. Während er glaubt, ausreichend zu schlafen, kämpft sein Körper mit extremen Atemaussetzern. Immer wieder setzt seine Atmung nachts für mehrere Sekunden, teilweise minutenlang, aus. Schlafapnoe heißt die Krankheit im Fachjargon.

Patientin im Schlaflabor

Menschen mit Schlafapnoe brauchen nachts eine Atemmaske. Sie sorgt für eine Überdruckbeatmung.

Betroffene bemerken Krankheit oft erst spät

Etwa 25 Prozent der Deutschen klagen laut Robert Koch-Institut über Schlafstörungen, elf Prozent bezeichnen ihren Schlaf als „häufig nicht erholsam“. So wie Biermann. Vor etwa fünf Jahren wendet er sich schließlich an seine Hausärztin; sie erkennt die Anzeichen schnell und schickt ihn zunächst zu einem Pneumologen, dann ins Schlaflabor. Dort verbringt er komplett verkabelt zwei Nächte – die Geräte zeichnen schließlich auf, was er selbst
lange nicht bemerkt hat. Nicht ungewöhnlich. Laut einer Untersuchung von Philips und Experten der Uni Witten/Herdecke wissen 6,4 Prozent der Betroffenen nichts von ihrem Leiden. Oft bemerken es die Partner der Patienten zuerst, wenn auf der anderen Seite des Bettes der Atem stockt.

Dabei sollte die Erkrankung unbedingt rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Denn sie erhöht das Risiko wesentlich, an hohem Blutdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken.

Eine kleine Kiste mit großer Wirkung.

Ein Gerät hilft beim Atmen

Nach wenigen Wochen geht es Biermann bereits deutlich besser. Er schläft fortan nachts mit einem CPAP-Gerät. Das kleine Kästchen neben seinem Bett sorgt für eine Überdruckbeatmung. Über Mund und Nase trägt er eine Atemmaske. Doch dieser Fremdkörper ist nur zunächst ungewohnt für ihn. „Die Maske stört mich überhaupt
nicht mehr, ich hatte sofort ein Gerät, das gut passt“, sagt er. Und noch viel bedeutender: „Ich habe mich so schnell mit ihr angefreundet, weil ich gemerkt habe, dass sie mir guttut.“ Neben der rein medizinischen Behandlung seines Problems hat ihm vor allem der Kontakt zu anderen Betroffenen geholfen. Es war wieder seine Hausärztin, die ihm dazu geraten hatte. „Es ist wirklich Glück, dass meine Ärztin die Krankheit überhaupt kennt und mir so viele Tipps und Hilfestellungen geben konnte“, sagt er. Bei vielen Medizinern sei dies nicht so selbstverständlich.

Selbsthilfegruppe

Mitglieder von Selbsthilfegruppen leiden seltener unter Depressionen oder seelisch bedingten körperlichen Beschwerden und sind selbstständiger.

Auch Angehörige müssen mitziehen

„Der Vorteil einer Selbsthilfegruppe ist, dass man direkte Erfahrungsberichte bekommt und die gleiche Sprache spricht. Schließlich sitzen da ja keine Ärzte“, sagt Biermann, der seit rund fünf Jahren mit der Diagnose lebt. Es hat sich viel getan in der Zwischenzeit: Mehr als 80 Kilogramm hat er abgenommen. So wie er sind mehr als drei Viertel der Betroffenen übergewichtig. Zudem engagiert er sich inzwischen sogar selbst als Vorstand des Bundesverbandes Schlafapnoe und Schlafstörungen Deutschland (BSD) e. V. in der Selbsthilfe.

Neben Gesprächsrunden, zu denen allein in Essen regelmäßig bis zu 100 Patienten kommen, gibt es dort auch Maskensprechstunden und Informationsstände. „Viele bringen auch ihre Partner mit. Es ist wichtig, dass auch die verstehen, was hinter der Krankheit steckt, damit sie besser damit umgehen können“, sagt Biermann.

Die IKK classic unterstützt Arbeit in der Selbsthilfe.

Die Kraft der Gemeinschaft

Wie wichtig Selbsthilfeangebote sind, zeigen nicht nur Beispiele wie Biermanns, sondern auch wissenschaftliche Studien. Demnach leiden Mitglieder von Selbsthilfegruppen weniger unter Depressionen oder seelisch bedingten körperlichen Beschwerden, sind selbstständiger und selbstbewusster und verfügen über bessere soziale Kontakte als andere Menschen in vergleichbaren Situationen.

Deshalb unterstützt auch die IKK classic etliche Selbsthilfe-Angebote. Den BSD zum Beispiel hat die Krankenkasse mit mehr als 30.000 Euro gefördert. Mit dem Geld konnte der Verein zwei neue multimediale Ratgeber für Betroffene herausbringen. „Unterstützung kommt nicht von jeder Krankenkasse“, sagt Michael Biermann, der viel Freizeit dafür aufwendet, Schlafstörungen bekannter zu machen. Schließlich ist die Hilfe von ihm und seinen Kollegen dringend notwendig: „Bei einer Messe haben wir mehr als 600 Beratungsgespräche geführt, die länger als zehn Minuten dauerten“, sagt er und ist sicher: Das waren noch längst nicht alle.

Selbsthilfe in Deutschland

Die Tradition von Selbsthilfegruppen ist in Deutschland stark ausgeprägt. Die Zahl der Gruppen wird bundesweit auf rund 100.000 geschätzt. Laut einer Untersuchung des Robert Koch-Instituts sind etwa neun Prozent der erwachsenen Bevölkerung schon einmal Mitglied einer Selbsthilfegruppe gewesen.

Unterstützt werden die Initiativen von den gesetzlichen Krankenkassen. 2016 gab allein die IKK classic 1,05 Euro pro Versichertem und somit einen Betrag in Millionenhöhe für die Selbsthilfearbeit aus. Die finanziellen Mittel fließen jeweils zu 50 Prozent in die Gemeinschaftsförderung und in die krankenkassenindividuelle Projektförderung.

Den Leitfaden zur Selbsthilfeförderung gibt es hier als Download: www.ikk-classic.de/selbsthilfe

Michael Biermann

Michael Biermann engagiert sich in der Schlafapnoe-Selbsthilfe in Essen.

Projekte des BSD

Die geförderten multimedialen Ratgeber des BSD „Ein- und Durchschlafstörungen – ein multimedialer Patientenkurs“
sowie „Neue Wege in der Adipositastherapie für Schlafapnoepatienten“ werden in den Selbsthilfegruppen verteilt.

Nähere Informationen zum Verband und seiner Arbeit finden Sie hier:
www.bsd-selbsthilfe.de
www.schlafapnoe-essen.de

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Bildnachweis: © Juanmonino/E+/Getty Images; Daniel Karmann/dpa; Caiaimage/Tom Merton/Getty Images


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