Kolumne_Erik Lehman über rastlose Rentner in leeren Städten

Kolumnist Erik Lehmann spricht über die neue aktive Rentner-Generation, der Jugendliche heute nur staunend hinterher blicken können.

Ab ins Mekka der Senioren!

Die satirische Kolumne von Erik Lehmann.

 

Ende Mai veröfentlichte das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung eine Studie, die zum Ergebnis kam, dass Dessau in Sachsen-Anhalt bundesweiter Spitzenreiter beim Durchschnittsalter seiner Bewohner ist. Das beträgt dort nämlich 49,5 Jahre. Knapp 30 Prozent der Einwohner sind älter als 64 Jahre. Nun ist es kein Geheimnis, dass der Osten Deutschlands im Vergleich zum Rest der Republik eher alt aussieht. In Ostdeutschland schaut man zwar in hübsch renovierte Stadtkerne, in denen es allerdings mehr Rollatoren als Kinderwagen gibt, wo grau melierte Haartrachten mit lila Schimmer in Form von wandelndem Blumenkohlgewölk das Straßenbild bestimmen, und wo die Kittelschürze als Modetrend noch immer weit vor dem bauchfreien Top liegt. Denn junge Menschen sucht man teils vergebens. Die sind dort, wo es Arbeitsplätze, Infrastruktur und paarungswillige Gleichaltrige gibt. Und dann sind da wiederum Städte wie Görlitz, die einen enormen Zuzug von „Westrentnern“ erleben. Sozusagen im Austausch gegen die in den Westen gegangenen jungen Leute.

Dynamische Geburtenrate

Allerdings gibt es einige größere ostdeutsche Städte wie Leipzig, Dresden oder auch Jena, wo das Kinderkriegen scheinbar gerade neu erfunden wurde. So kam es erst kürzlich in Leipzig zu einem Polizeieinsatz, weil Hunderte Eltern vor einer noch nicht eröfneten Kita Schlange standen, um einen Platz für ihren Nachwuchs zu ergattern. Der Stadtsprecher von Leipzig meinte dazu: „Die Geburten- und Zuzugsraten sind dynamischer als unser Kita-Bauprogramm.“ Vielleicht sollte Leipzig eine Meldeplicht für Eisprünge einführen, der Frauen mit Kinderwunsch nachkommen müssten. Denn dann hätten die Kommunen immerhin knapp neun Monate mehr Planungszeit für Kita-Neubauten.

Die Oma auf dem Skateboard - in der heutigen Zeit gar nicht mehr so abwegig.

Die Oma auf dem Skateboard - in der heutigen Zeit gar nicht mehr so abwegig.

 © JulNichols/E+/Getty Images

Oma tritt der Cheerleader-Gruppe bei, Opa schwingt sich aufs Motorrad.

Greise mit Gehstock? Im Gegenteil!

Apropos Datenlage: Die Grundlage für die oben genannte Studie sind Daten aus den Jahren 2000 bis 2015. In dieser Zeit stieg das bundesweite Durchschnittsalter um 3,3 Jahre auf 43,9 Jahre. Doch sind die Senio-
ren keinesfalls greise Mütterchen mit Kopftuch oder Großväter mit Gehstock und krummem Rücken. Ganz im Gegenteil! Rentner sind aktiver und rastloser als je zuvor: Da werden vereinzelt am Straßenrand spielende Kinder von Nordic Walking treibenden Pensionären mit ihren Stöcken verjagt. Da wird gerudert, geradelt und gerodelt, was das Zeug hält. Da tritt die Oma der Cheerleader-Gruppe bei, der Opa schwingt sich aufs Motorrad, und am Wochenende machen beide einen Tandemsprung aus 4.000 Meter Höhe. Und vielleicht wird Dessau dann eines Tages das Mekka aller Senioren, mit Ü90-Partys und Festivals wie dem „Wackeln Open Air“.

Erik Lehmann spricht über rüstige Rentner.

Der Autor

Kabarettist Erik Lehmann gehört zum Ensemble der Herkuleskeule Dresden. Für seine scharfzüngigen Auftritte ist er mehrfach ausgezeichnet worden.

www.knabarett.de

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