Interview mit Madame Cuisine

In ihrer alten Küche kann sich "Madame Cuisine" beim Schnippeln und Kreieren so richtig entspannen. Im Interview erzählt die Bloggerin, wie sie zum öffentlichen Kochen kam.

„Gemüse schneiden ist mein Yoga“

Bloggerin Madame Cuisine über ihre Leidenschaft fürs Kochen, woher sie immer neue Rezeptideen bekommt und wo sie am liebsten einkauft.

 

Wie wurde Ihre Leidenschaft fürs Kochen geweckt?
Mein Vater war Purser und hat immer aus der ganzen Welt Zutaten und Gewürze mitgebracht. Wenn er gekocht hat, durfte ich zugucken. Das hat mir schon als Kind total viel Spaß gemacht. Für meine Mutter hingegen war es immer eher eine Last, mittags zu kochen. Schon als Kind habe ich immer Rezepte gesucht und sie gesammelt. In einem Heft wurden sie feinsäuberlich eingeklebt.
 
Wann kam der Punkt, die Leidenschaft öffentlich zu machen?
Zum Bloggen bin ich gekommen, weil ich gemerkt habe, dass mich mein Job als Physiotherapeutin nicht auf allen Ebenen auslastet. Also habe ich einen Abend lang mit meiner Freundin ein Brainstorming gemacht und überlegt, was ich machen könnte. Dann wurde schnell klar, dass – egal wie viel Stress ich habe – immer Zeit zum Backen und Kochen ist. So ist dann vor rund vier Jahren der erste Beitrag in meinem Blog entstanden.
 
 
Sonja Stötzel arbeitet in ihrer Küche

Sonja Stötzel arbeitet in ihrer Küche

Ich dachte, dass es nur Freunde lesen.
Ist es nicht merkwürdig, völlig Fremden einen Einblick in seine Küche und sein Leben zu geben?
Ich dachte zunächst, dass es eh nur Freunde lesen, die von dem Blog wissen. Dann kamen irgendwann aber auch Kommentare von völlig fremden Menschen dazu. Das war total schön zu erleben, dass man mit ihnen seine Leidenschaft teilen kann. Also überhaupt nicht komisch!
 
Was ist das Konzept ihres Blogs?
Inhaltlich dreht es sich natürlich darum, Koch- und Backrezepte vorzustellen. Aber immer Rezepte, die alltagstauglich sind und bei denen man nicht stundenlang in der Küche stehen muss. Das schreckt zu sehr ab. Zusätzlich machen wir seit kurzem auch immer noch kleine Reiseberichte. Zuletzt etwa von unserer USA-Reise.
Wer schlemmen will, muss vorher schnippeln. Ist das der lästige Part am Kochen?
Im Gegenteil! Gemüseschneiden ist mein Yoga, sage ich immer. Dabei kann ich total gut abschalten. Das ist ein guter Ausgleich zum Praxisleben. Es ist körperlich ziemlich anstrengend und oft auch angespannt. Schließlich trage ich Verantwortung für die Menschen, die zu mir kommen und muss aufpassen, dass ich nichts falsch mache – zum Beispiel, wenn jemand frisch operiert ist. Da darf kein Griff danebengehen.
 
Womit kochen Sie am liebsten?
Ich koche fast ausschließlich mit regionalen Zutaten, die gerade Saison haben. Es hat mir schon immer widerstrebt, im September Erdbeeren zu kaufen. Das entspricht nicht meinem Verständnis von Nachhaltigkeit. Auch wenn ich nicht so viel Zeit habe, will ich trotzdem was Gutes und Gesundes essen. Das will ich mit meinen Rezepten zeigen – und auch, dass man gar nicht immer unzählige Zutaten braucht.

Kochen mit Madame Cuisine

Tomatentarte von Madame Cuisine

Tomatentarte von Madame Cuisine

Hobbyköchin und Bloggerin Madame Cuisine macht im Juli eine sommerliche Tarte. Hier geht es zum Rezept.

Händler geben tolle Tipps
Woher nehmen Sie die nötige Inspiration?
Meistens stehe ich morgens auf und weiß, worauf ich Lust habe. Oder ich gehe auf den Wochenmarkt und sehe da tollen Blattspinat, dann weiß ich, dass ich damit was Leckeres machen werde. Am liebsten kaufe ich übrigens auf kleinen Märkten ein. Und selbst, wenn ich mal gar nicht weiß, was man mit einem Gemüse anfangen solle, geben die meisten Händler tolle Tipps. Zudem hilft Pinterest. Wenn ich dort eine Zutat eingebe, kommen direkt etliche Fotos mit Rezeptideen, die meine Fantasie anregen.
 
Sie haben sicher eine tolle Hightech-Küche, oder?
Im Gegenteil! Klar, wenn ich Zeit und das Geld hätte, würde ich mir eine tolle Küche bauen lassen. Wir haben jedoch die Küche der Vor-vor-Mieter übernommen. Manche Türen fallen einem fast entgegen, wenn man sie öffnet. Sie ist nicht schick, aber ich mag sie trotzdem sehr, weil sie so gemütlich ist. Einziger Luxus ist meine Kitchen Aid-Küchenmaschine. Und selbst die hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Ich habe sie von meiner Mutter „geerbt“. Aber ohne sie mag ich einfach nicht mehr backen.
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Bildnachweise: © Sonja Stötzel für IKK classic


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