Stress bei Kindern ausbremsen

Sich auspowern zu können und mit Freunden zu toben, senkt den Stresspegel bei Kindern am zuverlässigsten.

Die Leser von aktiv+gesund haben sich in der vergangenen Ausgabe für folgende Frage an die IKK-Gesundheitsexperten entschieden:

 

„Unterricht, Hausaufgaben und Prüfungen setzen mein Kind unter Druck. Wie kann ich ihm Sorgen nehmen und den Stress reduzieren?“

 

„Kinder setzen sich selbst unter Druck“

IKK-Gesundheitsexpertin Regina Tessarzik kennt sich mit Stress und den Folgen des dauerhaften Drucks aus. So können Eltern dazu beitragen, dass ihre Kinder sich trotz Schul- und Freizeitstress dauerhaft entspannen.

Gesundheitsexperten Tessarzik

Sorgt für mehr Entspannung im Leben: IKK-Gesundheitsexpertin Regina Tessarzik.

© IKK classic

Unbeschwertes Spielen – frei von Termindruck, Zwängen und Verantwortung. Der Blick auf den Alltag von Kindern ist bei vielen Erwachsenen verklärt. Denn Stress gehört selbst bei Kindern schon häufig zum Leben dazu. Los geht es meist mit der Einschulung. Dort spüren sie wie Erwachsene in der Berufswelt den immer stärker werdenden Druck, der auf ihnen lastet.

Dabei kommt die Belastung nicht nur von außen. Viele Kinder setzen sich auch selbst unter hohen Druck, weil sie den Erwartungen der Eltern und Lehrer gerecht werden wollen. Ihre größte Angst ist es, die Eltern zu enttäuschen. Etwa mit schlechten Noten, die sie heimbringen. Zugleich herrscht im Klassenzimmer ein ständiger Wettkampf, wenn es darum geht, wer schneller laufen oder lernen kann.  

Bereits erste Anzeichen erkennen

Viele Eltern kriegen diese frühe Zerreißprobe im Leben ihrer Söhne und Töchter über einen langen Zeitraum gar nicht mit. Sie spüren erst spät, wenn das eigene Kind unter Stress steht – obwohl sie ihr Kind aufmerksam beobachten. Denn die ersten Warnzeichen im Verhalten des Kindes sind nicht unbedingt eindeutig. Launisches Verhalten oder Quengeligkeit etwa werden natürlich bemerkt, aber nicht sofort mit Stress in Verbindung gebracht. Aber auch psychosomatisch schlägt sich die Anspannung nieder: Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafstörungen, Unruhe oder Nervosität können Anzeichen von zu hohem Druck sein. Manchmal geht die Überforderung so weit, dass der Nachwuchs morgens nicht in die Schule gehen möchte.

Die Lösung beginnt mit Selbstreflexion.

Was können Eltern mit ihrem und für ihr Kind tun, um den Stresspegel zu senken und das Leben wieder unbeschwerter zu gestalten? Die Lösung beginnt mit Selbstreflexion: Eltern sollten ihre Erwartungshaltung und Wünsche an das Kind hinterfragen und sich selbst die Frage stellen: Kann es dem überhaupt gerecht werden? Wenn die Erziehungsberechtigten auf diese Weise sensibilisiert sind, helfen folgende Punkte für mehr Entspannung im Schulalltag:

 

  • Signalisieren Sie Ihrem Kind z. B. bei Prüfungen und anderen Bewährungsproben Ihre Unterstützung und Fürsorge, indem Sie Verständnis für Fehler aufbringenn, und ermutigen Sie es gleichzeitig, sich mehr zuzutrauen und weiterzumachen.
     
  • Strahlen Sie Ruhe und Gelassenheit aus – wenn möglich. Das überträgt sich in positiver Weise auf Ihr Kind.
     
  • Gehen Sie der Ursache auf den Grund. Am besten im Gespräch mit dem Lehrer. So können Sie herausfinden, was das Stressgefühl auslöst.
     
  • Schluss mit etlichen Verpflichtungen nach Schulschluss! Entrümpeln Sie den Terminplan so, dass genügend Freiraum geschaffen wird für Aktivitäten, die das Kind sich selbst aussuchen darf.
     
  • Hausaufgabenzeit begrenzen. Achten Sie darauf, dass nach 20–30 Minuten konzentriertem Arbeiten eine Pause eingelegt wird, damit keine geistige Überfrachtung geschieht.
     
  • Fördern Sie Entspannung mit gemeinsamen Ritualen wie beispielsweise zusammen kochen oder einmal in der Woche zusammen in den Park oder Eis essen gehen.
     
  • Hilfe bereitstellen. Wenn Sie bemerken, dass Ihr Kind Mühe hat, den Stoff in der Schule zu verstehen, ziehen Sie eine Fachkraft (Nachhilfelehrer) hinzu, damit es seine Probleme mit Unterstützung lösen können. 
Ein Kind muss Kind sein dürfen.

Diese einzelnen Maßnahmen können dazu beitragen, dass überlastete Kinder aus dem Teufelskreis entkommen können, der sie gefangen hält. Ein Punkt ist jedoch wichtiger als alle anderen: Ein Kind muss Kind sein dürfen. Egal wie viele Klassenarbeiten anstehen. Dafür braucht es Zeit. Experten sprechen von der sogenannten „Qualitätszeit“, die dem Kind ausreichend zur Verfügung stehen sollte.

In diesem Zeitraum dürfen Heranwachsende Aktivitäten unternehmen, die ihnen wirklich Spaß machen. Dazu gehören regelmäßige Treffen mit Freunden, Lesen von Comics und Büchern (keine Schulbücher!) oder körperliches Austoben auf dem Spiel- oder Fußballplatz. Dann ist Kindheit beinahe doch so unbeschwert, wie Erwachsene sie sich vorstellen.

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