Ein Marathon-Läufer im Portrait

Marathon-Läufer Paul Menges erlitt vor Jahren einen Herzinfarkt - trotzdem betreibt er weiter unbeirrt seinen geliebten Laufsport. Portrait eines ungewöhnlichen Menschens.

"Ich höre auf mein Herz"

Herzprobleme sind kein Grund, keinen Sport zu treiben – Paul Menges ist das beste Beispiel. Der 56-Jährige aus Erbach im Odenwald hat auch nach einem Herzinfarkt das Vertrauen in seinen Körper nicht verloren – er läuft der Angst einfach davon.

 

Sein Hausarzt war es, der Paul Menges die rote Karte zeigte: „Wenn Sie Ihren 60. Geburtstag erleben wollen, müssen Sie jetzt anfangen, etwas für ihre Gesundheit zu tun“, warnte der Mediziner. Für den Arzt war es ein Routinegespräch, für Paul Menges eine Lebenswende. „Ich war so aufgeschreckt, dass ich mir noch am selben Tag Laufschuhe gekauft habe", erinnert sich Menges. Übergewicht, Bluthochdruck und schlechte Cholesterinwerte hatte der Arzt bei dem damals 39-Jährigen festgestellt – Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Wann kann ich
wieder Marathon
laufen?

Paul Menges, der früher regelmäßig Handball gespielt hatte, musste sich eingestehen, dass er seinen Körper durch seine Arbeit als selbstständiger Bausparkassenvertreter vernachlässigt hatte. „Ich lebte das typische Leben eines Außendienstlers: Zwölf-Stunden-Tage, gutes Essen in Hotels und kaum Bewegung.“

Die ersten Läufe waren hart. „Bei den ersten Malen war ich nach 15 Minuten am Limit.“ Doch Paul Menges lief und lief und lief – bis er 2003 am Berlin-Marathon teilnehmen konnte. Nach vier Stunden und acht Minuten erreichte er sein Ziel. Weitere Marathonläufe und Triathlons folgten. Zwei Wochen vor einem Marathon 2007 dann wieder eine Schockdiagnose: ein stummer Herzinfarkt, ein Infarkt, den der Patient selbst nicht bemerkt hatte. Paul Menges mussten in einer OP zwei Stents gesetzt werden. Nach dem Eingriff fragte er seinen Arzt: „Wann kann ich wieder Marathon laufen?“ – „Dieses Jahr nicht mehr, aber trainieren Sie weiter“, riet der ihm.

Das ließ Menges sich nicht zweimal sagen. Zwei Wochen nach der OP schnürte er wieder seine Laufschuhe, „zwar mit Respekt, immerhin hatte ich jetzt zwei Metalle in meinem Herzen. Aber nicht mit Angst. Ich vertraute meinem Arzt, der mir gesagt hatte, dass ich wieder laufen darf“. 20 Minuten dauerte der erste Lauf – und mit jedem Schritt kam das Vertrauen in den Körper zurück. Anfangs lief der Sportler noch mit Pulsuhr, doch auf die verzichtete er bald. „Ich höre lieber wieder auf mein Herz.“

Der Sport rettete sein Leben

Paul Menges ist klar, dass er den Infarkt so gut verkraftet hat, weil sein Herz trainiert war. Das hat ihm sein Arzt bestätigt: „Ihr Sport hat Ihnen das Leben gerettet.“ Dennoch war für Paul Menges nach seinem Herzinfarkt noch eine Rechnung offen. „Damals habe ich beschlossen, dass ich dem lieben Gott ,Dankeschön‘ sagen und etwas für die Kinderherzstiftung tun möchte.“

Das hat Menges, selbst Vater von drei Kindern, umgesetzt: Im Sommer vor fünf Jahren hat er sich zu einem Benefizlauf für die Kinderherzstiftung auf den Weg gemacht, aus seinem Heimatort Erbach nach Berlin. Das sind knapp 900 Kilometer – oder die gut 20-fache Strecke eines Marathonlaufs, die Paul Menges in 16 Tagen zurückgelegt hat. „Abends taten mir die Beine weh, aber ich habe jeden einzelnen Kilometer genossen.“ 8.000 Euro kamen für die Kinderherzstiftung so zusammen – und im Herzen bleibt die Erinnerung an einen Gänsehaut-Moment, als Menges im Sommer 2013 ins Brandenburger Tor einlief.

Drei Fragen an Kardiologe Prof. Stefan Möhlenkamp

Das Foto zeigt den Kardiologen Professor Stefan Möhlenkamp

Professor Stefan Möhlenkamp

© Krankenhaus Bethanien Moers Archiv

Ein Herzinfarkt ist kein Grund, mit dem Laufen aufzuhören, sagt Prof. Dr. Stefan Möhlenkamp. Der Chefarzt der Kardiologie des Krankenhauses Bethanien in Moers verrät, was Herzpatienten beachten müssen – und warum sogar ein Marathon unter bestimmten Voraussetzungen nach einem Herzinfarkt noch möglich ist.

 

Herr Prof. Möhlenkamp, warum ist Laufen so gesund fürs Herz?
Prof. Möhlenkamp: "Laufen schützt – wie jeder Ausdauersport – vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es hat insbesondere Auswirkungen auf die kardiovaskuläre Fitness, das heißt auf Faktoren wie Gewicht, Blutdruck und Cholesterinwerte." 

 

Bei Marathon-Läufen hört man immer wieder von Herzinfarkten. Dürfen herzkranke Menschen noch laufen?
Prof. Möhlenkamp: "Ich rate Patienten sogar dazu, nach einem Herzinfarkt wieder Sport zu treiben. Oft werde ich gefragt, was noch erlaubt ist. ,Tiefseetauchen und den Himalaya besteigen sollten Sie sein lassen', antworte ich dann, ,dazwischen ist alles möglich'. Tatsächlich steigt bei intensivem Sport das Kurzzeitrisiko für einen Herzinfarkt, langfristig sinkt es aber durch Bewegung. Wir sprechen daher vom ,Paradox der körperlichen Aktivität'. Dennoch sollten Patienten sich nicht vom Sport abbringen lassen; selbst ein Marathonlauf ist unter bestimmten Voraussetzungen nach einem Infarkt noch möglich." 


Was sollten die Patienten beachten?
Prof. Möhlenkamp: "Wichtig ist, nach einer Reha langsam zu beginnen und die Leistung allmählich zu steigern: auf fünfmal pro Woche 30 bis 45 Minuten Laufen bei niedriger bis mittlerer Belastung. Statt den Puls zu messen rate ich dazu, auf die Atmung zu achten. Es sollte noch möglich sein, sich beim Laufen zu unterhalten. Patienten, die nach einem leichten Herzinfarkt Marathon laufen möchten, dürfen das – sofern sie sich langsam darauf vorbereiten und sich engmaschig untersuchen lassen. Aber: Das Gesunde am Marathonlauf ist das Training, nicht der Wettkampf."

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Bildnachweis Header: © Andreas Reeg


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