Herz, was willst du mehr?

US-Forscher haben in einer Studie herausgefunden, dass glückliche Menschen seltener am Herzen erkranken. Ein Interview über Glücklichsein und Zufriedenheit.

Herz, was willst du mehr?

Basis fürs Glücklichsein ist persönliche Zufriedenheit und die ist fürs Herz sehr gesund – für viele Menschen aber oft gar nicht so einfach zu erlangen. Psychologin Dr. Judith Mangelsdorf verrät, wie es geht.

 

Frau Dr. Mangelsdorf, Sie sind Leiterin des Lehr- und Forschungszentrums der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie in Berlin - wie würden Sie persönlich Zufriedenheit definieren?

Dr. Judith Mangelsdorf: „Eine der besten Definitionen hierzu stammt von dem Forscher Alex Michalos. Er sagt, dass Lebenszufriedenheit aus einem ,Differenz-Erleben‘ zwischen Haben und Wollen, zwischen dem Jetzt und der Vergangenheit und auch zwischen anderen Menschen und mir selbst resultiert. Mit anderen Worten, wenn ich meine Wünsche erfüllen kann, ich heute genauso gut oder besser lebe wie in der Vergangenheit und ich mein Leben ähnlich gut gestalten kann, wie die Menschen meiner Umgebung, dann stellt sich Zufriedenheit ein.“

 

Warum ist es für viele Menschen so schwer, mit dem Erreichten zufrieden zu sein?

Dr. Mangelsdorf: „Viele Menschen ziehen ihre Zufriedenheit oder Unzufriedenheit aus Vergleichen. Doch die Frage muss lauten: Mit wem vergleichen wir uns eigentlich? Und worauf lenken wir unsere Aufmerksamkeit? Ein Beispiel: Ich beziehe ein durchschnittliches Gehalt, das mir einiges ermöglicht und einiges nicht. Vergleiche ich mich nun mit schlechter gestellten Berufsgruppen oder Menschen ärmerer Länder, die das Gleiche tun, bin ich eher zufrieden. Vergleiche ich mich aber mit besser gestellten Berufsgruppen, die vielleicht sogar in meinen Augen weniger leisten, sorgt das gleiche Gehalt für Unzufriedenheit. Wir sind es als Gesellschaft gewohnt, uns nach oben zu orientieren. Das macht es schwer, mit dem Erreichten zufrieden zu sein.“

Das Foto zeigt Dr. Judith Mangelsdorf

Dr. Judith Mangelsdorf

© Heiko Marquardt

Warum wollen wir immer mehr, mehr, mehr?

Dr. Mangelsdorf: „Einer der Hauptgründe dafür, dass wir das Gefühl haben, immer noch mehr zu brauchen, liegt in medialen Einflüssen. Plötzlich sind die Menschen, mit denen wir uns vergleichen, nicht mehr die Nachbarn von nebenan, sondern Topmodels. Wer sich am Ende eines Tages regelmäßig die Frage stellt: Was war heute gut und wofür kann ich dankbar sein? wird mit der Zeit zufriedener. Ein anderer Weg, Zufriedenheit im Inneren herzustellen, ist, die eigenen Stärken kennenzulernen, hierzu empfehle ich die Forschungswebsite www.glücksforscher.de.“

Gelingt es Ihnen persönlich, den Spruch „Herz, was willst du mehr?" immer gelassen zu beantworten?

Dr. Mangelsdorf:Tatsächlich gibt es viele Momente in meinem Leben, in denen ich einfach sehr bewusst glücklich und zufrieden bin. Zum Beispiel, wenn sich mein kleiner Sohn freudestrahlend in meine Arme wirft. Ich kann sagen, ich führe ein wirklich gutes Leben. Dies ist aber keine Selbstverständlichkeit. Vielmehr ist es auch die Auseinandersetzung mit Momenten der Unzufriedenheit, in denen ich gemerkt habe, dass es Veränderung braucht. Entweder im Außen oder in meiner Haltung dazu. So begreife ich Unzufriedenheit eher als einen Freund, der helfen kann, ein wirklich zufriedenes Leben zu gestalten.“

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