Von Geburt an blind

Wie fühlt es sich an, nichts zu
sehen? Torsten Wolfsdorff hat als Neugeborener sein Augenlicht verloren. Für „aktiv+gesund“
berichtet er, wie er sein Leben meistert.

Von Geburt an blind

Wenn Torsten Wolfsdorff zu Fuß in der Stadt unterwegs ist, hört er mehr als andere Menschen. Alleine an der Stimme hört er selbst bei Fremden, wie sie ticken. Wolfsdorff kann auch besser tasten als andere. Zum Beispiel mit der Gabel, um den genauen Zeitpunkt zu erwischen, wann das Steak in der Pfanne gewendet werden muss. Damit es weder verbrannt noch roh, sondern zart und saftig wird.

 

Torsten Wolfsdorff ist ein Profi darin, diese Sinne zu benutzen: Der 57-Jährige ist von Geburt an blind. Zu früh auf die Welt gekommen, war die Sauerstoffzufuhr im Inkubator bei Wolfsdorff viel zu hoch, was zu schweren Veränderungen an der Netzhaut führte. „Ich habe keine Vorstellung davon, wie es zum Beispiel ist, Farben zu sehen“, erklärt er. „Meine Blindheit bedeutet aber nicht, dass ich im Dunkeln sitze. Ich habe da einfach ein Nichts“, erklärt er. „Und das ist ganz normal für mich. Schon von klein auf.“

Ich habe da
einfach ein
Nichts. Und das
ist ganz normal
für mich.

Vorurteile in der Arbeitswelt

In seiner Heimatstadt Kiel gab es noch keine Blindenschule, und so musste Wolfsdorff auf ein Internat nach Hamburg. Nach dem Abi folgte die Universität, Studiengang Sozialpädagogik. „Mein Traum war es, mit behinderten Menschen zu arbeiten“, sagt er. In der Arbeitswelt wurde er jedoch mit vielen Vorurteilen konfrontiert. „Viele trauten mir gewisse Dinge aufgrund meiner Blindheit nicht zu“, beschreibt er. So musste er sich oft mit Zeitverträgen zufriedengeben.

Von Geburt an blind: Torsten Wolfsdorff

© Maria Feck

​​

Unterstützung für Blinde und Sehbehinderte

Aktuell bringt er ehrenamtlich im Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) späterblindeten Menschen die Blindenschrift bei. „Mir ist es wichtig, dass aus diesen Menschen nicht plötzlich Analphabeten werden“, betont Wolfsdorff. Schätzungen zufolge leben in Deutschland rund 1,2 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen, die etwa Hilfestellungen beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband und bei seinen Landesvereinen bekommen können. Dieser wird wiederum von der IKK classic und anderen Krankenkassen unterstützt. So konnte der DBSV mit der kassenartenübergreifenden „GKV-Gemeinschaftsförderung Selbsthilfe auf Bundesebene“ im Vorjahr 95.000 Euro für seine laufenden Kosten einnehmen. Zusätzlich übernimmt die IKK classic für Betroffene die Kosten für den Blindenlangstock, für Mobilitätstrainings sowie für Vorlesegeräte. Auch die Integrationsämter übernehmen Hilfen, etwa in Form einer persönlichen Assistenzkraft im Arbeitsleben für blinde Menschen.

 

Begeisterter Hobbysänger

„Besonders wichtig sind die Mobilitätstrainings“, erklärt Wolfsdorff. „Es benötigt gut und gerne 50 Stunden, um sich als Blinder draußen und im Straßenverkehr einigermaßen zurechtzufinden.“ Ansonsten lebt er ein weitestgehend „normales“ Leben, wohnt mit seiner Partnerin mitten in Hamburg, ist begeisterter Hobbysänger. „Meine Freundin ist selbst sehbehindert, verfügt aber noch über etwas Sehkraft – das rettet auch meine Garderobe“, sagt Wolfsdorff augenzwinkernd.

Das Video zum Artikel: Torsten Wolfsdorff in Bildern

Passende Artikel

Bildnachweis Header: © Maria Feck


Nächster Artikel

Ausbildung bei der IKK classic – Aus dem Alltag einer Azubine

mehr
Die 20-Jährige macht eine Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten