Mit ökonomischem Blick in die Zukunft

Sven Gábor Jánszky (45) ist Trendforscher. Seine Analysen zu den
Lebens-, Arbeits- und Konsum-
welten der kommenden zehn
Jahre und seine Strategie-
Empfehlungen prägen die
Zukunftsdiskussionen vieler Branchen.

Was sind unsere Aussichten für die Zukunft?

Bei einem Themenschwerpunkt rund ums Sehen darf auch der Blick in die Zukunft nicht fehlen. Trendforscher Sven Gábor Jánszky (41) ist Direktor des 2b AHEAD ThinkTanks, des größten unabhängigen Zukunftsforschungsinstituts Europas. Seit 2002 lädt er jährlich 250 CEOs und Innovationschefs der deutschen Wirtschaft zum Zukunftskongress, wo sie unter anderem über wissenschaftlich fundierte Trends zu Leben, Arbeit und
Konsumwelten der nächsten zehn Jahre diskutieren. Überdies ist Jánszky Moderator, Interview-Experte und Keynote-Speaker.

 

Herr Jánszky, wie wird man Zukunftsforscher?
„Heute studiert man einfach Zukunftsforschung als Wissenschaftsdisziplin und Teil der qualitativen Sozialforschung. Zu meiner Zeit gab es das noch nicht. Ich habe Journalistik und Politikwissenschaften studiert und zehn Jahre als Redakteur und Moderator bei der ARD gearbeitet. Mit 28 war ich auf der höchstmöglichen Sprosse der Karriereleiter angelangt und wollte etwas anderes machen. Ich organisierte Kongresse, lud Innovations- und Strategiechefs großer Unternehmen ein. Menschen, die Technologien und Geschäftsmodelle voraussagen, fand ich spannend. Mit der Zeit luden auch mich immer mehr Kongress-Gastgeber ein, über die Zukunft zu diskutieren. Daraus entstand unser Institut (siehe unten).“


Wie entstehen Ihre Zukunftsszenarien?
„Wir arbeiten rein wissenschaftlich, etwa auf Basis langer Gespräche mit Strategieverantwortlichen, in welche Geschäftsmodelle sie investieren und warum, was ihrer Ansicht nach daraus in fünf Jahren entsteht und wie es unsere Welt verändert. Oder mit der ,Delphi-Methode‘, die in der Regel aus mehreren Befragungsrunden besteht, in denen Experten zu ihren Antworten noch einmal Stellung nehmen können.“


Wie wird unsere Zukunft aussehen?
„Bis 2030 können wir zum Beispiel auf die Minute genau den exakten Bakterien-Mix in unserem Darm bestimmen. Der legt fest, ob genetisch angelegte Krankheiten ausbrechen oder nicht. Jeder von uns hat den idealen Mix, der uns gesund hält. Den können wir künftig täglich aufs Neue herstellen – mit normalen Nahrungsmitteln. Die Lebensmittelindustrie spricht seit Jahren von Medical Food als großem Wachstumssegment.“


Beschreiben Sie bitte einmal ein mögliches Szenario.
„Man benutzt morgens die Toilette, spült. Ein elektronischer Spiegel sagt: ,Aus deinen Werten habe ich gemessen: Du bist heute zu 23 Prozent krank. Isst du eine Portion Joghurt, bist du morgen nur noch zu 18 Prozent krank.‘ Ich kippe Joghurt in meine intelligente Küchenmaschine. Mein Smartphone überträgt ihr den Bakterienmix, den sie in den Joghurt geben soll. Der kommt unten raus. Den Nährstoffzusatz schmeckt man nicht. Für uns wird das ein normaler Ablauf sein, weil sich das Prozedere nahtlos in unseren Alltag einpasst. Anders geht es auch nicht, denn Menschen beharren gerne auf bekannten Abläufen. Ohne Nutzen würden sie ihre Gewohnheiten nicht ändern. Und der ist in diesem Fall, dass sie nicht mehr krank werden und 10 oder 20 Jahre länger leben können.“

Vielen Dank für das Gespräch!

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Bildnachweis Header: © Jörg Gläscher


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