Achtung, Schimmel!

Schimmel = Panik? Wir klären die wichtigsten Fragen zum Thema.

Achtung, Schimmel!

Wer Schimmel in den eigenen vier Wänden entdeckt, ist meist in großer Sorge. Aber ist Schimmel tatsächlich so schlecht wie sein Ruf? Und wo genau lauern gesundheitliche Gefahren? Wir klären die wichtigsten Fragen rund um das Thema Schimmel mit den Experten Dr. Hans Peter Seidl, Mikrobiologe an der Technischen Universität München, und Professor Gerhard Wiesmüller, Leiter der Abteilung Infektions- und Umwelthygiene des Gesundheitsamtes der Stadt Köln.

Schimmelpilze zeigen sich meist durch braune oder schwarze Flecken an Wänden, Decken, Fugen, Fenstern oder Mobiliar. Manchmal wachsen sie aber auch an versteckten Stellen, etwa hinter Schränken. Dann ist ein erster Hinweis oft ein modriger, muffiger Geruch.

Dass bei schwarzen Punkten in der Fuge nicht gleich Panik ausbrechen muss und selbst bei großflächigen Stellen an der Wand nicht der sofortige Auszug droht, darüber sind sich die Experten einig. Dieses Fazit ist daher auch in der aktuellen Schimmelpilz-Leitlinie der „Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften“ (AWMF) verankert. „Schimmelpilze sind Bestandteile unserer natürlichen Umwelt und kommen auch massenhaft draußen in der Luft vor“, erklärt Mikrobiologe Dr. Hans Peter Seidl. Für gesunde Menschen stellt der Schimmelbefall daher keine wirkliche Gefahr dar.

Auch wenn Schimmel für gesunde Menschen kein hohes Gesundheitsrisiko darstellt, ist er zu Hause nicht hinnehmbar. Denn Schimmelpilze können eine Allergie auslösen, die sich oft wie Heuschnupfen oder Asthma äußert. Dennoch besteht kein Grund zur Panik: „Studien zeigen, dass nur drei bis zehn Prozent der Menschen sensibilisiert sind oder Symptome einer Allergie entwickeln“, sagt Dr. Seidl. Zudem sei die Diagnostik bei einer Schimmelpilzallergie oft nicht eindeutig.

Anders verhält es sich bei Menschen mit schwerer Immunschwäche, etwa Krebspatienten während einer Chemo- oder Strahlentherapie, aber auch bei Menschen, die an Mukoviszidose oder Asthma leiden. Sie haben ein erhöhtes Infektions- bzw. Allergierisiko. „In einzelnen Fällen kann ein Kontakt bei Patienten mit schwerer Immunschwäche sogar tödlich verlaufen“, betont Professor Gerhard Wiesmüller vom Kölner Gesundheitsamt.

Wenn es sich nur um schwarze Punkte im Fensterrahmen handelt oder eine verschimmelte Fuge, kann selbst gehandelt werden. Dabei sind handelsübliche Reinigungsmittel ausreichend. „Es ist aber wichtig, auf das Raumklima zu achten und ausreichend zu lüften, um Folgeschäden zu vermeiden“, erklärt Professor Wiesmüller. Handelt es sich hingegen um große Flächen an Wand oder Decke, sollte der Rat eines Fachmanns hinzugezogen werden. „Es gibt Sachverständige, die öffentlich bestellt sind“, so Professor Wiesmüller weiter. In diesen Fällen ist eine Ursachenanalyse wichtig sowie eine fachgerechte Sanierung der Räume. Bundesweit finden sich Netzwerke zur Beratung zum Thema Schimmel!

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