Der Mythos vom Süßstoff

Sorbit, Malit, Cyclamat, Aspartam: IKK classic-Ernährungsexpertin Anke Hagemann räumt mit Unwahrheiten auf

Süßstoffe: Schluss mit den Mythen!

Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe haben weniger oder gar keine Kalorien und eine höhere Süßkraft als normaler Zucker - eignen sie sich deshalb besonders für Diabetiker, wie man lange glaubte? IKK classic-Ernährungsexpertin Anke Hagemann räumt mit dem Mythos auf.

 

Verwertet der Körper normalen Haushaltszucker, nimmt er dafür das Hormon Insulin zur Hilfe. Insulin fehlt Diabetikern. Für sie entwickelte die Industrie deshalb ursprünglich Zuckeraustauschstoffe. „Zuckeraustauschstoffe sind sogenannte Zuckeralkohole, die unabhängig von Insulin sind und nur eine geringe Blutzuckerwirksamkeit haben“, erklärt IKK classic-Ernährungsexpertin Anke Hagemann.

Zuckeraustauschstoffe können Unverträglichkeiten auslösen
 

„Im Einzelhandel sind vorwiegend Sorbit und Malit als Pulver erhältlich. Zuckeraustauschstoffe stecken aber auch in brennwertverminderten Lebensmitteln oder solchen ohne Zuckerzusatz wie Konfitüren, Desserts, Speiseeis. Und da sie vor Karies schützen, findet man sie zusätzlich in Bonbons und Zahnpflegeprodukten.“ In zu großen Mengen können Zuckeraustauschstoffe zu Unverträglichkeiten führen, erklärt Hagemann: „Zuckeraustauschstoffe werden im Dünndarm schlecht absorbiert und gelangen folglich weitgehend unverändert in den Dickdarm. Dort wirken sie wasseranziehend.“ Die Folgen können unangenehme Nebenwirkungen wie Blähungen und Durchfall sein.

Kocht man stets selbst und mit frischen Zutaten, dann hat man auch die finale Kontrolle darüber, was sich in den Mahlzeiten befindet.

Süßstoffe sind künstliche Verbindungen

Neben den Zuckeraustauschstoffen gibt es auch noch Süßstoffe, die sich in wesentlichen Punkten unterscheiden, so Hagemann. „Zuckeraustauschstoffe sind natürliche Kohlenhydrate, Süßstoffe sind in der Regel künstliche Verbindungen wie Thaumatin, Cyclamat, Aspartam, Acesulfam oder Saccharin. Eine Ausnahme ist Stevia, das Ende 2011 auf den europäischen Markt gekommen ist und aus Pflanzen gewonnen wird.“

Erhöhter Konsum kann die Darmflora verändern

Im Vergleich zu Zuckeraustauschstoffen, die immer noch einige wenige Kalorien haben, sind Süßstoffe völlig kalorienfrei. „Ob Süßstoffe aber wirklich zur Reduktion von Übergewicht beitragen können, ist wissenschaftlich unklar“, weiß Hagemann. „Es gibt Hinweise, dass ein erhöhter Süßstoffkonsum die Zusammensetzung der Darmflora verändern kann. Dies kann wiederum das Wachstum von Bakterien begünstigen, die die Aufnahme von Zucker und Fettsäuren aus dem Darm steigern – und damit stiege auch das Risiko für die Entwicklung einer Glukoseintoleranz beziehungsweise Diabetes.“

Das Bild zeigt Anke Hagemann, IKK classic-Ernährungssexpertin

Anke Hagemann, IKK classic-Ernährungssexpertin

© IKK classic

Mythen über Diabetiker-Lebensmittel

Seit 2012 seien deshalb die sogenannten „Diabetiker-Lebensmittel“ mit jeglichen Austauschmitteln für Zucker vom Markt genommen. „Diese Produkte haben Diabetikern zwei Unwahrheiten vorgegaukelt“, so Hagemann. „Zum einen haben sie die Botschaft transportiert, dass man durch den Einsatz von Zuckeraustauschmitteln den Diabetes positiv beeinflussen könne. Zum anderen haben sie den Glauben verbreitet, dass man sie in unbegrenzten Mengen verzehren dürfe" – beides ist jedoch nicht der Fall!

Süßstoff ist süßer als Zucker


„Die süßstoffgesüßten Lebensmittel und Getränke“, sagt Hagemann, „sind meist noch viel süßer als zuckergesüßte Produkte, weil ihre Süßkraft bis zu 3000 mal so hoch ist, wie die des Zuckers.“ Das könne dazu führen, dass eine Gewöhnung an die Übersüßung einsetze – und das Verlangen nach Süßem insgesamt zunehme.

So leben Diabetiker gesund

Entscheidend für eine gesunde Ernährung von Diabetikern ist nicht der Ersatz des Zuckers durch Austauschstoffe, sondern ein gesunder Lebensstil: mit reichlich Gemüse, mäßig Obst, am besten kombiniert mit Milchprodukten, da diese den Blutzuckeranstieg verzögern. Weiter wichtig ist der Blick auf die Fettqualität in der Nahrung: Man sollte wenig gesättigte Fette, versteckt in Käse, Wurst und Süßigkeiten verzehren. Dafür lieber gute Fette in Form von Pflanzenölen, zum Beispiel Olivenöl, Rapsöl, Keimöl, Nüssen. Kohlenhydrathaltige Lebensmittel wie Getreidemehle, Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln und Produkte, die daraus hergestellt sind, sollten Diabetiker nur in Maßen essen. Dagegen können sie Ballaststoffe in Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten in reichlichen Mengen zu sich nehmen, denn diese lassen den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen; sie sollten regelmäßig ihren Platz im Speiseplan finden. Diabetiker sollten zudem viel trinken, am besten Wasser, den Alkoholkonsum reduzieren und sich regelmäßig ausreichend bewegen. Und: den unsichtbaren Zucker nicht vergessen - dafür sollten Diabetiker die Zutatenliste von Lebensmitteln immer genau studieren. Diese Regeln sind übrigens auch gut für gesunde Menschen, so beugen sie krankhaften Entwicklungen vor; zu viele Pfunde auf den Hüften kann beispielsweise die Entstehung einer Diabetes Typ 2 begünstigen.

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