Weltmeister im Einspänner

Mit 13 Jahren nimmt Fabian Gänshirt am ersten Turnier teil. Schnell wird klar, wie talentiert der junge Bade ist.

In der Kutsche auf Erfolgskurs

Fabian Gänshirt aus Lahr im Schwarzwald ist Weltmeister auf dem Kutschbock. Im Pony-Einspänner fuhr er der Konkurrenz davon – dabei konnte er zunächst gar nichts mit Pferden anfangen.

Wie aus Angst Erfolge werden, darin ist Fabian Gänshirt ein Experte. Im vergangenen September ist er in den Niederlanden zum Weltmeister im Pony-Einspänner gekürt worden. Als Jugendlicher schien das für den heute 27-Jährigen noch ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Damals kickte er lieber mit seinen Kumpels auf dem Fußballplatz. Hin und wieder begleitete er seine Schwester in den Reitstall – stets hielt er dabei einen respektvollen Abstand zu den großen Tieren. „Ich hatte wahnsinnige Angst vor Pferden“, erzählt er. Kaum zu glauben, dass er heute seine gesamte Freizeit mit ihnen verbringt.

Fabian Gänshirt auf dem Hof mit seinen Ponys.

Für Trainingsfahrten spannt Gänshirt manchmal beide Ponys vor der Kutsche. Abwechslung ist wichtig, um die Ponys zu motivieren.

Zeit für andere Hobbys bleibt nicht

Täglich kümmert sich der Versicherte der IKK classic um seine Ponys David L und Olesja L. Das „L“ im Namen steht für die Züchterfamilie Lehmann, die ihm die Tiere für den Sport zur Verfügung stellt. Putzen, reiten, fahren und füttern gehört zur täglichen Routine. Nur an einem Tag in der Woche wird pausiert. Dann grasen die beiden Ponys, die knapp 1,50 Meter groß sind, auf der Weide in Gänshirts idyllischem Heimatort Lahr im Schwarzwald. Selbst am Wochenende beginnt der Stalldienst für den gelernten Werkzeugmechaniker in den frühen Morgenstunden – ausschlafen ist mit diesem Hobby, das schon fast ein Beruf ist, nicht möglich. „Das gehört eben dazu. Ich bin froh, dass meine Freundin das Hobby mit mir teilt, sonst würde es wohl problematisch werden“, sagt er lachend.

"Pro Jahr fahre ich etwa sieben Turniere."

Und für die Turniere geht der komplette Jahresurlaub drauf. „Pro Jahr fahre ich etwa sieben Turniere.“ Was überschaubar klingt, ist tatsächlich ziemlich aufwändig und kostspielig. Denn die meisten Turniere finden in Nord- und Ostdeutschland statt. Dienstags macht sich Gänshirt dann mit dem eigens angeschafften Lkw auf den Weg – schließlich müssen nicht nur die beiden Ponys, sondern auch die Kutschen transportiert werden. 600 Euro gehen allein für Diesel drauf, die Kutschen kosten zwischen 5.000 und 17.500 Euro. Sonntags findet dann in der Regel der letzte Wettbewerb statt. Doch er macht das gerne. „Es ist ja auch ein Spaß. Abends machen wir immer ein bisschen Party“, sagt er.

Fabian Gänshirt auf dem Hof mit seinen Ponys.

Putzen, füttern, ausmisten. Auch neben dem Sport gibt es viel Arbeit rund um die Ponys.

Das erste Turnier fuhr er spät

Gerade bereitet er sich auf die nächste Saison vor, die in wenigen Wochen startet. Vor 13 Jahren hat er sein erstes Turnier gefahren. Auf den Geschmack hat ihn Wolfgang Lohrer gebracht, der damals als Trainer im Reitstall seiner Schwester arbeitete. „Er hat mich ein paar Mal mitgenommen auf der Kutsche“, sagt der 27-Jährige. Nach und nach verschwand die Angst vor den Ponys. Gleichzeitig wuchs die Neugier auf den Sport. Und er hat Talent, wie sich schnell herausstellte.

Ein Titel fehlt noch

Im vergangenen Jahr hat es ihn bis ganz nach oben auf das „Trepple“ der Weltmeisterschaft gebracht. Dabei hatte er ausgerechnet in seiner Paradedisziplin Dressur mit David L gepatzt. „Die Turniere bestehen immer aus drei Prüfungen. Ähnlich wie beim Vielseitigkeitsreiten“, sagt der Badener. Als Erstes geht es in der Dressur- Prüfung um möglichst exakte und elegante Bewegungen des Ponys. Danach zählen Geschwindigkeit und Kondition in der Disziplin Marathon. In einem Herzschlagfinale – „das war ziemlich emotional und verrückt“ – schaffte er es, ohne Fehler durch den letzten Hindernisparcours zu fahren.

„Bis ich verstanden habe, dass es für den Titel gereicht hat, hat es etwas gedauert“, erinnert er sich. In drei Jahren kann er seinen Titel verteidigen. Aber davor hat er sich noch eine andere Aufgabe vorgenommen: Deutscher Meister werden. „Den Titel habe ich noch nicht.“

Fabian Gänshirt auf dem Hof mit seinen Ponys.

Schnell schnappt sich ein Pony eine Extraportion Heu von der Schubkarre.

 

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Bildnachweis: © Jürgen Gocke