Schwerpunkt Einführung

Was machen die verschiedenen Zuckerarten genau mit unserem Körper? Ein Überblick

Guter Zucker, böser Zucker

Unser Leben auf dieser Erde beginnt zuckrig: sieben von 100 Gramm Muttermilch bestehen aus dem „Milchzucker“, chemisch Laktose. Wir alle lieben es süß. Denn das signalisiert uns: Hier ist es gut, hier gibt es genug Energie. Aber zu viel Zucker kann krank machen. Warum?

 

Für unseren Gaumen ist der Unterschied von der Milchsüße zu dem, was im Supermarkt „Zucker“ heißt, kaum zu schmecken. Das ist „Saccharose“, die Süße von Rübe und Rohr. Rechnet man die Gewichtsanteile der Laktose in Saccharose um, dann wären in einem Glas Muttermilch sechs Stück Würfelzucker versteckt. Zum Vergleich: In einem Glas Cola schwimmen zehn Stück Würfelzucker So viel mehr ist das auch nicht, oder? Ja und nein.

Hormone als Regulatoren

Außen ähnlich, innen verschieden
Denn so täuschend ähnlich der Geschmack, so grundsätzlich verschieden ist der Inhalt. Die beiden Zuckerarten bestehen jeweils aus zwei Bausteinen, die Verdauungsenzyme kurz hinter dem Magen sorgfältig auseinanderschneiden. Bei beiden ist der „Traubenzucker“ Glukose mit verbaut. Rohrzucker aber enthält Fruktose, den sogenannten „Fruchtzucker“, und Milchzucker Galaktose als zweiten Baustein.

Alle drei wandern mit dem Blut zu den verschiedenen Organen, wo sie hungrige Zellen herausfischen und zur Energiegewinnung einsetzen können. Sie speisen sogar alle drei in denselben Abbauweg ein. Und trotzdem macht es offenbar einen großen Unterschied, welcher Zucker diese Energie bereitstellt. Glukose ist in der Natur der wichtigste Nährstoffzucker. Die Konzentration der Glukose im Blut wird deswegen durch ein eigenes Hormonsystem – das Insulin und das Glukagon aus der Bauchspeicheldrüse – streng reguliert. Diese strikte Kontrolle gibt es für die anderen Zucker im Blut nicht. Bedarf an Galaktose ist immer vorhanden, weil sie vor allem als Baustoff für die Außenhülle neuer Zellen benötigt wird.

Und Fruktose? Weil sie besonders süß schmeckt – und jahrzehntelang durch ihre Herkunft aus Obst ein besonders gesundes Image hatte –, lieben die Ingenieure der Lebensmittelindustrie sie. Ob Softdrinks oder Kinderjoghurts, Nudelsoße oder sogar Wurstwaren: In den meisten verarbeiteten Lebensmitteln ist heute Fruktose in unnatürlich hohen Mengen vertreten.

Essen Sie zu Schokolade ein paar Apfelschnitze – den Rest regeln die Darmbakterien...

Überkonsum begünstigt Fettleber
Leider macht offenbar gerade dieser Zucker den Unterschied zwischen gesundem und krankhaftem Appetit auf Süßes. Denn: In hohen Mengen wirkt Fruktose eher wie Alkohol, was unter anderem zur Entwicklung einer Fettleber führen kann. Außerdem tendiert die Leber bei Fruktose zur Umwandlung in Fettsäuren.

Und was macht Fruktose dann in dem „gesunden“ Obst? Ist Obst überhaupt gesund? Ja – weil die Konzentration der Fruktose beispielsweise in einem Apfel als unverarbeitetem Lebensmittel viel niedriger ist als in Fertignahrung. Außerdem hat ein Apfel viele Ballaststoffe. Die sättigen und scheinen über die Darmflora unseren Stoffwechsel zu beeinflussen – und schützen vor Übergewicht und seinen Folgeerkrankungen. Deshalb an dieser Stelle ein heißer Tipp, wenn Sie wieder mal abends vor dem Fernseher der Heißhunger auf Schokolade erwischt: Essen Sie zu den Schokostückchen einfach ein paar Apfelschnitze und Karottenstifte dazu – den Rest regeln die Darmbakterien …

Unsere große Info-Grafik: Der Weg des Zuckers durch unseren Körper

In den Mund durch die Speiseröhre zu den einzelnen Organen: Zucker legt in unserem Körper einen spannenden Weg zurück. Und je nachdem, wo er sich befindet, entfaltet er unterschiedliche Wirkungen und wird auf verschiedene Weise verarbeitet. Verfolgen Sie den Weg des Zuckers durch den Körper in unserer spannenden Info-Grafik!

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Bildnachweis Header: © Martin Barraud/Getty Images


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