Leistungssport in Kleid und Frack

Adrett übers Parkett: Profis im Standardtanz sind die Meister guter Haltung. Warum der Tanz ihr Leben ist, erzählen Renata und Valentin Lusin, Profitänzer aus Düsseldorf.

Leistungssport in Kleid und Frack

Sie sind die Meister der Haltung: Profitänzer, die ein hohes Maß an Balance brauchen, um jede Bewegung des Partners auszutarieren. Warum der Tanz ihr Leben ist, erzählen Renata und Valentin Lusin, Paar im Profitanz aus Düsseldorf.

 

Es sieht so leicht aus, wenn sich Renata und Valentin Lusin in atemberaubendem Tempo über das Parkett drehen, jeder Schritt so sicher und präzise gesetzt, mit einer Körperspannung, die bis in die Fingerspitzen reicht, und einem Lächeln, das den beiden für keine Sekunde verloren geht. Doch was so mühelos wirkt, ist Hochleistungssport in Abendkleid und Frack – mit einem Puls von 180.

Dem Profiläufer darf man die Anstrengung des Wettkampfs ansehen, den Schweiß, das schmerzverzerrte Gesicht, dem Profitänzer keinesfalls. „Das ist die Herausforderung des Tanzes“, sagt Valentin Lusin (31). „Wir vereinen Sport und Kunst.“

Wir sind das kleinste Team der Welt

Das geht nur mit dem Zusammenspiel aus Training und Technik – und jahrzehntelanger Erfahrung. Die Düsseldorfer Profitänzer, die beide aus Russland stammen, haben schon als Kinder angefangen zu tanzen. „In Russland gehört es zum guten Ton, Kinder zum Tanzen anzumelden“, so Renata Lusin (31). Beide machten früh Karriere im Tanzsport, Valentin bereits in Deutschland, Renata zunächst in Russland.

Als die beiden mit 16 Jahren neue Tanzpartner suchten, kam Renata wegen Valentin nach Deutschland. Die beiden kannten sich bereits von internationalen Turnieren. Beim Profitanzsport kommt es darauf an, als Paar zu harmonieren. „Nur Paare, die lange zusammenarbeiten, können erfolgreich sein. Wir sind das kleinste Team der Welt“, sagt Valentin Lusin.

Doch bei der gemeinsamen Leidenschaft Tanz blieb es nicht allein – Renata und Valentin verliebten sich auch ineinander. Vor vier Jahren haben sie geheiratet. Wie passt das zusammen, Profitanzpaar und Liebespaar zu sein? Bestens, findet Renata, sie kann sich das gar nicht anders vorstellen. In den vergangenen zehn Jahren waren die beiden an knapp 50 Wochenenden im Jahr auf Turnieren weltweit unterwegs. „Welcher Partner würde das schon mitmachen? Ich sehe es auch als Vorteil, dass wir beim Tanzen echte Gefühle zeigen können und sie nicht spielen müssen.“

2018 erstmals bei „Let’s Dance“

Trotzdem ist es manchmal anstrengend, das Profisein mit dem Privatleben zu verbinden, die beiden verbringen oft 24 Stunden am Tag miteinander. Der Vormittag gehört ihnen, dann trainieren sie in ihrem Heimatverein, dem Tanzsportclub Düsseldorf Rot-Weiss. Am Nachmittag unterrichten sie Paare. Hinzu kommen Workshops, Shows und Turniere an den Wochenenden – und 2018 erstmals die RTL-Tanzshow „Let’s Dance“, bei der sie als Profitänzer mitgemacht haben. Im vergangenen Jahr ist das Paar in die Profiliga aufgestiegen, es ist amtierender Deutscher Meister über 10 Tänze; außerdem wurden die beiden bereits zweifache Vizeweltmeister im Showdance und zweifache Deutsche Meister über 10 Tänze.

Neben viel Disziplin verlangt dieses Pensum eine Menge Faszination für das Tanzen – und die hat das Paar gepackt. Die beiden können sich unbändig freuen, wenn sie auf dem Siegertreppchen landen, und „wie Fußballer auf dem Rasen“ nach einer Niederlage weinen. „Am Ende ist es wie eine Droge“, sagt Valentin Lusin. „Manchmal tut mir der Körper weh, aber wenn ich in Urlaub fahre, vermisse ich das Tanzen nach einer Woche schon wieder.“

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Bildnachweis Header: © LUK Photography


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