Mimimiiiii! Singen ist gesund, Chöre sind der Hit. Warum eigentlich?

Singen ist der Hit! Was steckt hinter dem Phänomen „Chöre“?

Mimimiiiii

Singen steckt in jedem von uns. Denn unsere Stimme ist ein unsichtbares Instrument, das zugleich immer hörbar und präsent ist. Ob in Konzerthäusern, in Fernsehshows, bei Flashmobs auf der Straße oder digital bei Facebook – Singen ist „in“. Gerade auch in der Gemeinschaft: So trällern in Chören deutschlandweit mehr als 3,3 Millionen Sänger. Aber warum singen wir eigentlich?

 

Singen ist alters- und situationsunabhängig. Und: „Chöre sind ein Kaleidoskop unserer Gesellschaft. Egal, ob Chefarzt, Schüler oder Arbeitsloser – alle haben im Chor ein Ziel: miteinander singen“, betont Profi-Sänger Rolf Schmitz-Malburg. Denn zwischen „zusammen singen“ und „miteinander singen“ gibt es für den Musiker einen großen Unterschied: „Im Fußballstadion oder beim Geburtstag singen wir zusammen.“ Miteinander singen sei hingegen miteinander atmen, miteinander verschmelzen, aufeinander hören. „Eine achtsame Interaktion.“

 

Als Jury-Mitglied der WDR-Show „Die besten im Westen“ beurteilt Rolf Schmitz-Malburg unterschiedliche Chöre genau nach diesen Kriterien. Zunächst sind 20 Chöre  im WDR gegeneinander angetreten und haben ihr Können gezeigt. Das Halbfinale findet dann am 8. Dezember statt. Genau eine Woche später entscheidet sich dann, welcher Chor am 22. Dezember 2017 als Siegerchor beim großen Mitsing-Event des Rundfunkchores „Swinging Christmas“ in der Kölner Philharmonie mit auf der Bühne stehen darf. „Es sind keine Profis, und gerade das finde ich auch so spannend“, so Juror Schmitz-Malburg. Deutschlandweit gibt es rund 60.000 Laien-Chöre – vom Shantychor über den Gospel- und den Kinderchor bis hin zu A-cappella-Gruppen ist die Palette groß und bunt.

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Aber gemeinsames Singen im Chor ist nicht nur gesellig: Es ist nachweislich auch gesund. Professor Gunter Kreutz von der Universität Oldenburg sorgte vor einigen Jahren mit einer Studie für großes Aufsehen. Darin konnte der Forscher durch Speichelproben bei Sängern und das Ausfüllen von Fragebögen nachweisen, dass die allgemeine Stimmung sowie der Immunglobulin-A-Wert – ein Stoff, der für die Immunabwehr wichtig ist – durch Singen im Chor steigen. Die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Körper nimmt hingegen ab. „Dass Singen einen positiven Einfluss auf Körper und Psyche hat, lässt sich in vielen Studien zeigen“, erklärt Professor Kreutz. Singen sei auch für Menschen mit schlechter Atmung, etwa bei COPD oder Asthma, ein perfektes Training. „Bei Patienten mit Demenz oder Parkinson zeigen sich ebenfalls positive Effekte.“ Auch für Kinder sei Singen sehr wichtig, so der Wissenschaftler. „Es bietet vielfältige Entwicklungspotenziale und dient der Stimm- und Sprachentwicklung.“

 

Das Singen steckt einfach in jedem von uns – und jeder kann davon Gebrauch machen. Sei es bei Mitsing-Events wie dem „Rudel Sing Sang“ (Termine hier!), „Loss mer singe (Termine hier!) oder „Du bist der Chor“(Termine hier!). Oder auch einfach mal abends zu Hause. „Immer mehr Menschen in Deutschland tun das übrigens“, sagt Rolf Schmitz-Malburg. Es handelt sich um sogenannte Wohnzimmerchöre, deren Zahl laut Musikerkreisen deutlich gestiegen ist. „Sie entstehen oft spontan, man trifft sich in kleiner Runde, ähnlich wie bei Kochclubs: Bei denen wird statt im Restaurant ja auch zu Hause gekocht und gegessen.“

 

Singen für die Gesundheit

Singen wird sogar schon zu therapeutischen Zwecken eingesetzt: In Berlin bieten Jens und Elena Deppe, Gesangs-Coaches für Menschen mit Atemwegsproblemen, Gesangstherapie für Asthmakranke an. „Auch mit einer sehr eingeschränkten Belastbarkeit – und auch mit Sauerstoffgerät – kann in der Gruppe mitgesungen werden“, versichern die Coaches. Wie gut das Singen tut, lesen Sie übrigens auch hier!

 

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