Animation "Der Weg des Zuckers durch den Körper"

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Mund

Die meisten Kohlenhydrate landen hier als lange Ketten: Cellulosefasern, Stärke aus Pflanze oder der Speicherzucker Glyogen aus dem Muskelfleisch von Tieren. Vor allem in Milchprodukten finden sich auch kürzere Zuckerketten, die Oligosaccharide. Sofern die Kettenmoleküle für den Menschen überhaupt verdaulich sind, beginnt ihre Zerkleinerung schon im Mund. Dafür ist das Enzym Alpha-Amylase zuständig. Dabei entstehen der Einfachzucker Glucose und der Zweifachzucker Maltose.

Skelettmuskeln

Sie bevorzugen eigentlich Fettsäuren als Energiequelle. Trotzdem sind sie das zweitwichtigste Depot für den Speicherzucker Glykogen – denn sie müssen immer damit rechnen, kurzfristig sehr viel Energie zu brauchen. Bei großer Anstrengung kommt Glykogen und damit die Glucose ins Spiel. Wenn wir Fleisch essen, nehmen wir allerdings vor allem Proteine zu uns – der Kohlenhydratanteil im Fleisch verschwindet, bis das Steak auf unserem Teller landet.

Niere

Wenn der Hunger schlimm wird, dann kann auch die Niere mit selbst gemachter Glucose aushelfen. Sie verwendet dazu die Abbauprodukte von Körperfett und Muskeln. Außerdem filtert sie ständig Mannose aus dem Blutkreislauf – als Abwehrhilfe gegen eindringende Bakterien.

Blut

Hier schwimmen die Nahrungszucker zu den Organen und Geweben – so wie der Zucker in der Limonade, also einfach aufgelöst. Die roten Blutkörperchen selbst sind auf die süße Fracht direkt angewiesen: Sie sind die einzigen „Organe“, die nur aus Zucker Energie gewinnen können. Diese sogenannte Glucose ist in der Natur der wichtigste Nährstoffzucker. Ihre Konzentration wird deswegen durch ein eigenes Hormonsystem aus der Bauchspeicheldrüse, bestehend aus Insulin und seinem Gegenspieler, dem Glukagon, streng reguliert. Alle anderen zirkulierenden Zucker können zwar in denselben Weg zur Energiegewinnung eingespeist werden wie Glucose. Eine aktive Mengensteuerung gibt es für sie jedoch nicht – gefährlich bei zu stark gesüßtem Essen.

Zellen in der Darmwand:

Sie sind die Türsteher des Körpers und entscheiden, wer weiterreisen darf Richtung Blut. Während Glucose und Galaktose tatsächlich eine Art Tür benutzen müssen, gleiten Fructose und Mannose ganz von selbst durch die Zellwände. Auch angebotene Xylose, enthalten etwa in Birkenzucker, wird zu etwa 60 Prozent über den Darm ins Blut aufgenommen und anschließend über die Nieren wieder ausgeschieden.

Fettgewebe

Hier wird die Energie der Nährstoffzucker, für die die Leber keine andere Verwendung hat, für schlechte Zeiten in der Form von Fett deponiert. Außerdem bilden die Fettzellen Hormone, die den Appetit dauerhaft zügeln, sobald sie gut gefüllt sind. Es gibt inzwischen viele Hinweise, dass der von der Nahrungsmittelindustrie häufig zugesetzte Fruchtzucker Fructose das Anlegen der Fettspeicher ungewöhnlich stark begünstigt, wahrscheinlich indem er die normale, für Glucose ausgelegte Appetitregulation aushebelt.

Bakterien im Dickdarm:

Sie leben auch von den Kohlenhydraten, die Menschen nicht als Nährstoffe verwenden können. Dazu gehören die faserigen Baustoffe aus Pflanzen, die Ballaststoffe, aber auch Süßstoffe wie Xylit oder die Oligosaccharide aus der Milch. In ihrer Speisewahl sind die Darmbakterien recht unterschiedlich. Welche Bakterien unseren Darm besiedeln, hängt also davon ab, welche Nahrung wir ihnen anbieten. Mit reichlich Ballaststoffen – so neue Annahmen – reichern wir auch jene Darmbakterien an, die günstigen Einfluss auf unsere Immunabwehr haben und unsere Neigung zu Übergewicht mindern oder das Diabetesrisiko senken.

Dünndarm

Die Alpha-Amylase aus der Bauchspeicheldrüse übernimmt die weitere Arbeit. Weitere Enzyme zerlegen hier die Zweifachzucker, zum Beispiel den Milchzucker aus der Milch, den Haushaltzucker Saccharose oder die bei der Speichelverdauung entstandene Maltose. Vor allem die verdaulichen Kohlenhydrate zerfallen hier in ihre Einzelbausteine.

Gehirn

Die Nervenzellen im Gehirn haben einen großen Energiehunger – und den decken sie am liebsten aus der schnell verbrennbaren Glucose. Bei einem Erwachsenen verschlingt das Gehirn 100 bis 150 Gramm Glucose am Tag, zwei Drittel des Gesamtverbrauchs im Körper. Im Notfall können die Nervenzellen aber auch Fettbausteine verbrennen.

Herz

Es arbeitet ständig und braucht daher eine besonders gehaltvolle Energiequelle: Das Futter seiner Wahl sind Fettsäuren. Nur bei großer Anstrengung verwendet das Herz zusätzlich noch die schnell verbrennbare Glucose.

Leber

Sie ist im Blutkreislauf die erste Station für alle Nährstoffe aus dem Darm, dem Hauptumschlagplatz des gesamten Energiestoffwechsels – also auch für die Kohlenhydrate. Aus dem, was der Dünndarm an Einfachzuckern schickt, baut sie das Speichermolekül Glykogen und bunkert es erst einmal. Sobald der Glucosespiegel im Blut sinkt, erhöht sie die Konzentration mithilfe ihrer Speicher wieder. Sind die Speicher voll, dann werden die Zucker hier in Fettsäuren verwandelt – die dann als Pölsterchen an Bauch oder Po wieder auftauchen. Die Leber kann in Hungerzeiten auch aus anderen Quellen Glykogen und Glucose machen: Sie holt sich die Ausgangsstoffe aus diesen Fettdepots zurück – und notfalls sogar aus überzähliger Muskelmasse. Dieser Mechanismus springt bereits nach 24 Stunden ohne Zuckerzufuhr über die Nahrung an, weil dann das Glykogen-Depot fast aufgebraucht ist. Weil die Leber so erfinderisch ist, können sich Menschen theoretisch auch ganz ohne Kohlenhydrate ernähren, ohne zu verhungern – gesund ist dies jedoch nicht.


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